Es ist ein grausamer Albtraum am Ostseestrand, der Urlauber, Inselbewohner und Tierfreunde gleichermaßen erschüttert und die sonnenverwöhnte Idylle von Rügen in einen Ort des Entsetzens verwandelt. Statt spielender Tiere im Wasser und friedlicher Spaziergänge im Sand bot sich im Herbst ein Bild des Horrors, als entlang der Küste immer wieder leblose Kegelrobbenkörper im Spülsaum lagen, aufgedunsen, reglos, ausgeliefert. Aus dem Ferienparadies wurde eine gespenstische Kulisse, in der das Meer nicht mehr für Freiheit und Erholung steht, sondern für Tod, Rätsel und lähmende Fassungslosigkeit, während sich der Verdacht verdichtet, dass hier jemand bewusst und kaltblütig in das Leben geschützter Meeressäuger eingegriffen haben könnte.
Die Ermittler sprechen inzwischen nicht mehr von einem tragischen Zufall, sondern von einem möglichen Verbrechen, das gezielt gegen wehrlose Wildtiere gerichtet gewesen sein soll und den ganzen Küstenraum in einen Strudel aus Misstrauen und Empörung stürzt. Im Fokus stehen zwei Männer, gegen die wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt wird, weil Indizien darauf hindeuten, dass die Robben nicht einfach an Krankheit oder Alter verendet sind, sondern vorsätzlich getötet oder in den sicheren Tod getrieben worden sein könnten. Während sich die Beschuldigten eisern ausschweigen und jede Erklärung verweigern, hoffen viele auf eine klare Anklage, doch gleichzeitig wächst die Wut darüber, dass wieder einmal Unklarheit, Verzögerung und Verweis auf laufende Prüfungen die blutige Spur am Strand nur noch unerträglicher machen.
Wie ein dunkler Schleier legt sich der Verdacht über die Küstenfischerei und die gesamte Region, denn Gutachten und Untersuchungen deuten darauf hin, dass zahlreiche Tiere qualvoll ertrunken sein könnten, möglicherweise in Netzen oder Reusen, aus denen es kein Entkommen gab. Tier- und Umweltschützer sprechen von einem moralischen Bankrott, wenn geschützte Meeressäuger am Ende nichts weiter sind als Kollateralschaden oder lästiges Beiwerk eines rücksichtslosen Umgangs mit der Natur, während Behörden sich hinter Paragrafen, Zuständigkeiten und endlosen Prüfungen verschanzen. Zurück bleiben verstummte Strände, wütende Forderungen nach harten Strafen und strengeren Regeln sowie das bedrückende Gefühl, dass die Ostsee noch lange nicht zur Ruhe kommt, solange diejenigen, die für dieses stille Massaker verantwortlich sein könnten, weiter unerkannt oder unbehelligt durchs Leben gehen.
