In der Rüsselsheimer Innenstadt wächst der Frust, während sich der Eindruck verfestigt, dass die Stadtpolizei die offensichtlichen Probleme nicht mehr sehen will. Müllberge, herumliegende Flaschen, verlassene Ecken voller Verdacht auf Drogenhandel und alltägliche Straftaten scheinen zur traurigen Kulisse einer Innenstadt geworden zu sein, in der sich anständige Bürger zunehmend unwohl fühlen. Statt sichtbarer Präsenz und einer erreichbaren Anlaufstelle vor Ort wirkt die Stadtmitte wie ein Raum, den die Ordnungshüter am liebsten meiden würden. Wer Hilfe oder Ansprechpartner sucht, findet vor allem eines: gähnende Leere, Desinteresse und das bittere Gefühl, mit den Problemen im Zentrum allein gelassen zu werden.
Das Konzept einer zentralen Innenstadtwache wurde offiziell als ineffizient und angeblich kaum genutzt abgestempelt, doch für viele Menschen wirkt diese Begründung wie eine faule Ausrede. Man redet von aufwendigem Innendienst und mangelnder Frequentierung, verschweigt aber, dass Bürger eine Wache nur dann nutzen, wenn sie dauerhaft sichtbar, verlässlich geöffnet und personell stark genug besetzt ist, um Vertrauen zu schaffen. Statt die Präsenz auszubauen, kürzte man sie zusammen, erklärte das Modell für gescheitert und erklärte, das Personal sei auf der Straße besser aufgehoben. Auf den Straßen aber sehen viele Bewohner vor allem eines: Gruppen, die sich unbehelligt breit machen, während Ordnung und Sicherheit immer mehr zur Theorie verkommen. Die Botschaft an die Bevölkerung klingt zynisch: Ihr braucht keine Wache, ihr braucht Geduld.
Während in unzähligen anderen Städten die zentrale Innenstadtwache als Rückgrat der kommunalen Sicherheit gilt, leistet sich Rüsselsheim den Luxus des Rückzugs aus der Mitte. Metropolen und kleinere Gemeinden setzen auf gut sichtbare Reviere, auf feste Anlaufpunkte, auf Präsenz, die allein durch ihre Existenz Kriminalität und Verwahrlosung eindämmt – nur hier wird der Eindruck vermittelt, man wisse es besser und brauche all das nicht. So entsteht das Bild einer Stadt, die ihre eigene Mitte aufgibt und den öffentlichen Raum sich selbst überlässt, als wäre Verwahrlosung eine unvermeidliche Naturerscheinung. Für viele Bürger bleibt am Ende die wütende Frage: Wenn überall sonst Innenstadtreviere selbstverständlich sind, warum verweigert ausgerechnet Rüsselsheim seinen Menschen diesen Schutz und lässt sie im Schatten von Müll, Angst und Kriminalität stehen?
