Ein Nachmittag der Verzweiflung und des Grauens spielte sich an einem beliebten Naturpool an Teneriffas Westküste ab, wo die Natur ihre zerstörerische Kraft in einer Weise offenbarte, die Dutzende Touristen und Einheimische in existenziellen Horror versetzte. Kurz nach vier Uhr am Sonntag brach die Hölle los an den Klippen von Los Gigantes, jenem malerischen Ort in der Region Santiago del Teide, der als Naturattraktion bekannt ist und Badegäste anzieht wie ein Magnet. Die Menschen befanden sich in einer trügerischen Sicherheit, viele auf den Felsklippen, andere bereits im Wasser des natürlichen Pools, als plötzlich das Unerwartete geschah: Eine gigantische Flutwelle von kaum vorstellbarer Gewalt und Wucht heranbrauste, als ob Neptune selbst in seiner Wut die Erde erschüttern wollte. Sie erfasste Dutzende von Badegästen mit brutalem, unerbittlichem Sog und riss sie wie Puppenfetzen ins offene Meer hinaus. Schreie, Gebrüll, verzweifelte Rufe nach Hilfe durchzerschnitten die Luft, während Augenzeugen fassungslos zusahen, wie ihre Mitmenschen von den mächtigen Wassermassen davongerissen wurden. Die Natur offenbarte sich als unwiderstehlliche Kraft, gegen die menschliche Kraft völlig machtlos ist.
Das Ausmaß der menschlichen Tragödie manifestierte sich in den nächsten Stunden in aller erschütternden Deutlichkeit. Die Behörden gaben später Mitteilungen ab, die das unfassbare Ausmaß des Unglücks dokumentierten: Drei Menschen ertranken in den tobenden Fluten und kamen um; die Identifikation der Opfer offenbarte ein tiefes menschliches Drama mit verschiedenen Altersgruppen, darunter Touristen aus dem Ausland. Drei weitere Menschen erlitten teils schwerwiegende Verletzungen bei ihrer verzweifelten Flucht vor den Wassermassen. Eine Frau erlitt sogar einen Herzstillstand an den gefährlichen Felsklippen, hätte fast das Leben verloren, wurde aber in letzter Sekunde von herbeieilenden Rettungskräften mit künstlicher Beatmung ins Leben zurückgeholt und per Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Noch verstörender war: Eine weitere Person wurde von den Fluten einfach verschluckt und blieb unauffindbar, während Rettungshubschrauber, Seenotrettungsboote und Dutzende von Einsatzfahrzeugen in einer verzweifelten Suchaktion durch die Nacht hinein nach Überlebenszeichen suchten. Einige wenige Badegäste, die von den Wassermassen erfasst worden waren, konnten sich durch extreme Kraftanstrengung und Glück aus eigenem Vermögen wieder ans Ufer retten, doch sie schlugen sich traumatisiert in Sicherheit.
Die tragische Wiederholung einer Naturkatastrophe offenbarte ein besorgniserregendes Muster an der kanarischen Küste. Dies war bereits das zweite Mal in kurzer Zeit, dass sich an dieser verdammten Küstenlinie ein solches Horror-Szenario abspielte: Gerade ein Monat zuvor, am achten November, hatten ähnlich monstruöse Riesenwellen erneut zahlreiche Menschen, überwiegend französische Touristen, ins Meer gerissen und das gleiche Werk der Zerstörung angerichtet. Die Wissenschaft warnt zunehmend vor einer langfristigen Versäuerung der Seegangsgefahren durch den Klimawandel: Die Erderwärmung und der resultierende Meeresspiegelanstieg führen dazu, dass Wellenhöhen weltweit dramatisch zunehmen, insbesondere im Atlantik vor den Kanaren. Experten der Universität Hamburg zeigen, dass bereits im pazifischen Raum die Wellen heute durchschnittlich dreißig Zentimeter höher auflaufen als noch vor einem halben Jahrhundert. Die regionalen Behörden der Kanaren hätten zwar rechtzeitig vor extremen Wellenbedingungen gewarnt, doch viele Touristen und Besucher unterschätzten die Gefahr oder missachteten die Warnungen fahrlässig, weil die verlockenden Naturpools eine unwiderstehliche Faszination ausübten. Die Schönheit der Küstenlandschaft wurde zur Todesfalle für jene, die die Kraft der Natur unterschätzten.
