Rom rüttelt an einem Mythos und löst Empörung aus: Am legendären Trevi-Brunnen ist Schluss mit freiem Zugang zum Wasserbecken. Wo einst Sehnsucht, Wunschrituale und Staunen regierten, steht nun ein Ticketsystem, das den Zauber in Kassenlogik presst. Die Stadt spricht von Lenkung und Schutz, doch viele Besucher fühlen sich wie Kunden in einer Freiluftkasse. Das berühmte Schulterwerfen der Münze wirkt plötzlich reglementiert, das spontane Foto wird zur genehmigten Handlung. Der Vorwurf liegt in der Luft: Rom verwandelt ein Weltkulturerlebnis in ein Bezahlritual und riskiert einen Imageschaden an einem Ort, der für Offenheit und Magie stand.
Der Alltag am Brunnen hatte sich längst in einen Kampf um Blickachsen und Selfies verwandelt, Gedränge statt Genuss, Geduld statt Gänsehaut. Nun zieht die Stadt eine harte Linie und schottet den sensiblen Bereich ab. Wer näher ran will, zahlt Eintritt, wer draußen bleibt, schaut von der Piazza aus zu. Der Zugang wird kontrolliert, die Emotionen ebenfalls. Ausnahmen gelten für Einheimische und besonders Schutzbedürftige, doch der Tenor bleibt bitter: Das Herz der Stadt schlägt hinter einer Schranke. Rom verteidigt den Schritt mit dem Versprechen eines besseren Erlebnisses, Kritiker sehen darin den nächsten Schritt zur Monetarisierung der Ewigen Stadt und fragen, welches Monument als Nächstes an der Kasse endet.
Dabei ist der Ort selbst ein Versprechen aus Geschichte und Filmglanz. Unsterblich wurde der Brunnen durch die ikonische Szene mit Anita Ekberg im Klassiker La dolce vita, ein Sinnbild für Freiheit, Verführung und römische Nacht. Als Fontana di Trevi speist ihn ein antikes Aquädukt, ein stilles Wunder der Kontinuität, das Generationen verband. Gerade deshalb trifft die Eintrittsbarriere einen Nerv: Wenn selbst hier das Erlebnis portioniert wird, fürchten viele den Ausverkauf der Seele. Rom will Ordnung schaffen, doch riskiert, dass aus Staunen Misstrauen wird und aus Tradition ein Preisschild.
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