Hinter dicken Mauern der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen soll sich ein unfassbarer Albtraum abgespielt haben. Was eigentlich ein Ort von Recht und Ordnung sein müsste, wurde nach Ansicht der Ermittler zu einem Schauplatz systematischer Demütigung. Die Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe gegen die frühere Führung der Anstalt. Gefangene sollen misshandelt, erniedrigt und über Tage hinweg wie Tiere behandelt worden sein. Nun stehen die ehemalige Leiterin, ihre Stellvertreterin und ein früherer Mitarbeiter vor einer juristischen Abrechnung, die das ganze bayerische Justizsystem in Erklärungsnot bringt.
Im Zentrum der Ermittlungen steht ein mutmaßliches Netzwerk aus Willkür und Machtmissbrauch. Den Beschuldigten werden Freiheitsberaubung, Nötigung und Körperverletzung vorgeworfen. Besonders die frühere stellvertretende Anstaltsleiterin soll ein brutales Regiment geführt haben. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft wurden Gefangene gezielt schikaniert, isoliert und ihrer elementarsten Rechte beraubt. Sogar Behörden und Gerichte sollen mit falschen Angaben hinters Licht geführt worden sein, um das grausame Vorgehen zu verschleiern. Auch die damalige Chefin der JVA steht unter Verdacht, von den Zuständen gewusst und sie zumindest stillschweigend geduldet zu haben.
Am schwersten wiegt der Vorwurf der missbräuchlichen Nutzung von Isolierzellen. Häftlinge sollen gezwungen worden sein, nackt und ohne jede Grundausstattung auf kaltem Betonboden auszuharren. Matratzen, Kleidung und selbst simpelste Dinge wie Papierunterhosen seien ihnen entzogen worden. Die besonders gesicherten Hafträume, eigentlich nur für absolute Ausnahmefälle gedacht, wurden nach Ansicht der Ermittler gezielt als Mittel der Einschüchterung eingesetzt. Was dort geschehen sein soll, erinnert eher an düstere Straflager als an einen modernen Rechtsstaat. Nun liegt es am Landgericht Augsburg zu entscheiden, ob dieser erschütternde Skandal endgültig vor Gericht aufgearbeitet wird.
