Verheerende Ausbrüche in der US-Geflügelindustrie reißen nicht ab: H5N1 verbreitet sich rasant, Millionen Tiere verenden und die Behörden verzeichnen jedes Jahr neue Fälle bei Menschen. Doch was einst als beherrschbar galt, ist inzwischen eine tickende Zeitbombe: Von der Bundesüberwachung ist nur noch ein Schatten übrig, Forscher und Landarbeiter werden im Stich gelassen. Die Spuren des Virus ziehen sich durch die Luft, Melkgeräte und sogar den Abwasserstrom auf den Farmen – die Chancen auf Eindämmung schwinden täglich.
Die Liste der Versäumnisse wird länger und fataler: Tests bei Landarbeitern, die am meisten gefährdet sind, passieren kaum – ausgerechnet in Bundesstaaten wie Minnesota, die besonders schwer betroffen sind. Während Wissenschaftler verzweifelt Daten für die Virus-Sequenzierung sammeln, lähmen Personalabbau und Geldmangel den gesamten Überwachungsapparat. Umfragen zeigen, dass Symptome bei Landarbeitern ignoriert werden; viele wurden nie getestet. Experten warnen: Selbstgefälliges Wegschauen und die Reduzierung der Surveillance öffnen der Pandemie Tür und Tor.
Die Pandemie-Müdigkeit und politische Blockade haben eine gefährliche Sicherheitslücke geschaffen. Die Behauptung, dass alles unter Kontrolle sei, ist reines Wunschdenken – denn die Instrumente, um die Ausbreitung zu bremsen, sind längst geschwächt. Die Risiken für Mensch und Tier werden zum Existenzproblem einer ganzen Branche. Die USA stehen unter Dauerstress, die Vogelgrippe zieht weiter – und niemand kann sagen, ob die nächste Infektionswelle nicht den Menschen ins Zentrum des Krisengeschehens katapultiert.
