Berlin – Der Satz hallt bis heute nach: Ausspähen unter Freunden, das gehe gar nicht. Mit diesen Worten empörte sich Kanzlerin Angela Merkel einst über die Abhöraktionen der Amerikaner. Der Skandal um das belauschte Kanzler-Handy erschütterte das Vertrauen zwischen Berlin und Washington und ließ die Beziehungen der Partnerstaaten auf einen Tiefpunkt sinken. Die Empörung war groß, die moralische Empörung noch größer.
Doch nun dreht sich der Spieß. Neue Enthüllungen legen nahe, dass auch Deutschland selbst zum Lauscher wurde. Ausgerechnet der Bundesnachrichtendienst soll seine Antennen auf den damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten gerichtet haben. Der mächtigste Mann der westlichen Welt im Fadenkreuz deutscher Spione – und das offenbar ohne Wissen des Kanzleramts. Ein politischer Sprengsatz mit internationaler Tragweite.
Der Vorwurf wiegt schwer. In einem Podcast berichtet ein renommierter Investigativjournalist, der Auslandsgeheimdienst sei nie vollständig kontrollierbar gewesen. Wenn sich eine Gelegenheit bot, habe man zugehört – selbst bei der amerikanischen Staatsspitze. Besonders brisant: Die politische Führung in Berlin soll darüber im Unklaren gelassen worden sein. Freundschaft auf offizieller Bühne, Misstrauen im Verborgenen – ein Geheimdienstkrimi, der das Bild der ehrlichen Empörung in neuem Licht erscheinen lässt.
