In den Ställen der Schweiz tobt ein neuer Aufreger. Jahr für Jahr werden unzählige männliche Ferkel kurz nach der Geburt kastriert, damit später beim Braten kein unangenehmer Ebergeruch entsteht. Für viele Verbraucher gilt dieser Geruch als völlig unzumutbar. Doch Tierschützer kritisieren den schmerzhaften Eingriff seit Langem. Jetzt soll ausgerechnet die moderne Gentechnik eine Lösung bieten: Forscher haben Schweine gezüchtet, die von Natur aus keine Hoden besitzen. Damit wäre die Kastration überflüssig – ein Traum für die Fleischindustrie, aber ein Albtraum für Kritiker.
Ein Bericht über diese neuartigen Tiere hat im vergangenen Herbst eine Lawine von Diskussionen ausgelöst. Entwickelt wurden die besonderen Schweine an einem Forschungsinstitut in Deutschland mithilfe der umstrittenen Genschere Crispr/Cas. Befürworter schwärmen von einem gewaltigen Fortschritt für Tierwohl und Wirtschaftlichkeit. Sie hoffen, dass mit denselben Methoden sogar Krankheiten bei Nutztieren verhindert werden könnten. Gegner dagegen warnen vor einem gefährlichen Spiel mit der Natur und fürchten langfristige Folgen, die niemand abschätzen kann.
Auch unter Bauern und Mästerbetrieben gehen die Meinungen weit auseinander. Auf einer großen Nutztiermesse in Luzern wurde hitzig über die Zukunft der Schweinezucht gestritten. Einige Landwirte sehen in den hodenlosen Ferkeln eine echte Chance, endlich auf die umstrittene Kastration verzichten zu können. Andere machen ihre Zustimmung allein von der Reaktion der Konsumenten abhängig. Und viele lehnen jede Form von Gentechnik im Stall kategorisch ab. Klar ist schon jetzt: Der Kampf um das Schwein von morgen hat gerade erst begonnen.
