Was als religiöser Segen gedacht war, endete im Krankenhaus. Ein unscheinbares Mitbringsel aus einem Wallfahrtsort in Afrika hat in Bad Kreuznach eine gefährliche Infektionskette ausgelöst. Statt Hoffnung und Heilung brachte das angeblich heilige Wasser schwere Durchfälle, Kreislaufzusammenbrüche und blanke Angst. Ärzte standen plötzlich vor einer Krankheit, die hierzulande fast vergessen war und gerade deshalb zunächst unerkannt blieb.
Die Ermittlungen des Gesundheitsamtes zeichnen ein alarmierendes Bild. Das Wasser, aus religiöser Überzeugung mitgebracht und genutzt, war offenbar mit Cholera-Erregern belastet. Mehrere Menschen mussten medizinisch behandelt werden, ein Patient schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Die Diagnose kam spät, weil niemand mit einer solchen Tropenkrankheit rechnete. In den Kliniken wuchs die Sorge, dass sich der Erreger weiter ausbreiten könnte.
Der Fall wirft ein grelles Licht auf die Risiken religiöser Rituale und unkontrollierter Mitbringsel aus dem Ausland. Experten warnen eindringlich vor blindem Vertrauen in vermeintlich wundersame Substanzen. Glaube schützt nicht vor Bakterien, und Tradition ersetzt keine Hygiene. Bad Kreuznach hat den Schock noch nicht verdaut, doch die Botschaft ist klar: Was als heilig gilt, kann im schlimmsten Fall tödlich sein.
