Jahrelang wurden Hauskäufer durch einen gnadenlosen Markt gejagt, mit Bieterschlachten, überhöhten Preisen und Verkäufern, die jede Forderung diktieren konnten. Doch jetzt hat sich das Blatt dramatisch gewendet. In den Vereinigten Staaten verlieren Verkäufer spürbar an Einfluss, während Käufer erstmals seit über einem Jahrzehnt wieder das Steuer übernehmen. Der Immobilienrausch der Pandemie ist Geschichte, die Euphorie verflogen, die Realität zurück. Neue Marktdaten zeigen, dass Käufer im vergangenen Jahr so hohe Preisnachlässe durchsetzen konnten wie seit vielen Jahren nicht mehr. Fast zwei Drittel aller Käufer zahlten weniger als verlangt, ein klares Signal für einen Markt, der abkühlt und in dem Geduld plötzlich belohnt wird. Hohe Finanzierungskosten, Unsicherheit und eine wachsende Zurückhaltung haben den Traum vom schnellen Verkauf zum Wunschdenken gemacht.
Besonders deutlich wird die Machtverschiebung in den Analysen von Redfin, die von einem regelrechten Überhang an Verkäufern sprechen. Demnach stehen den Kaufinteressenten deutlich mehr Anbieter gegenüber, als der Markt aufnehmen kann. Das Ergebnis ist ein Verhandlungsspiel, das sich zugunsten der Käufer dreht. Während früher Häuser in Tagen verschwanden, bleiben sie nun länger stehen, Preise werden gesenkt oder Objekte ganz zurückgezogen. Selbst Immobilien, die einst als unangreifbar galten, geraten unter Druck. Experten sprechen offen von einer Umkehr der pandemischen Kaufhysterie. Was einst als sicherer Vermögensgewinn galt, wird nun zum Geduldstest für Eigentümer, die lernen müssen, dass Wunschpreise nichts mehr zählen, wenn Käufer ausbleiben.
Besonders stark zeigt sich der Preisverfall bei Eigentumswohnungen und in Teilen von Florida, wo hohe Neubautätigkeit, steigende Versicherungsprämien und zunehmende Risiken Verkäufer zum Einlenken zwingen. In Metropolen wie West Palm Beach oder Miami fallen die Abschläge besonders deutlich aus, während Käufer in Städten wie Seattle noch vergleichsweise wenig Spielraum haben. Nur wenige Regionen wie San Francisco trotzen dem Trend. Für viele Amerikaner ist diese Entwicklung ein Befreiungsschlag und zugleich ein Warnsignal. Zwar eröffnen sich neue Chancen, doch die Gründe für den Preisrutsch sind bitter. Hohe Zinsen und dauerhaft teure Lebenshaltungskosten machen Wohneigentum weiterhin schwer erreichbar. Der amerikanische Traum lebt weiter, aber er hat an Glanz verloren und ist rauer, nüchterner und unsicherer geworden als je zuvor.
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