Berlin steht vor einem brisanten Neubau, der selbst abgebrühte Beobachter schlucken lässt. In Tegel soll ein eigener Komplex für Sicherungsverwahrte entstehen, jene Täter, die ihre Strafe verbüßt haben und dennoch hinter Mauern bleiben, weil sie als hochgefährlich gelten. Kurz vor der Eröffnung des ersten eigenständigen Gebäudes auf dem Gelände der JVA Tegel wird klar, wie weit die Hauptstadt gehen will. Statt harter Haftbedingungen wächst ein Projekt heran, das Kritiker als Luxus hinter Gittern bezeichnen und das in der Berlin Politik für hitzige Debatten sorgt.
Denn was hier geplant ist, hat mit klassischem Knastalltag wenig zu tun. Eigene Möbel statt karger Zellen, deutlich mehr Bewegungsfreiheit und sogar die Möglichkeit, sich Essen liefern zu lassen. Während normale Häftlinge strenge Regeln und Entbehrungen erleben, entsteht für diese besondere Gruppe ein Umfeld, das eher an betreutes Wohnen erinnert als an Verwahrung. Die Botschaft wirkt verstörend: Wer als dauerhaft gefährlich gilt, bekommt nicht nur Sicherheit, sondern auch Komfort.
Der Neubau entfacht eine Grundsatzfrage, die das Land spaltet. Wie viel Menschlichkeit darf der Staat Schwerstverbrechern zugestehen, ohne das Gerechtigkeitsempfinden der Gesellschaft zu verletzen. Befürworter sprechen von moderner Resozialisierung und verfassungsrechtlicher Pflicht, Gegner von einem Schlag ins Gesicht der Opfer. Sicher ist nur eines: Dieser Luxus-Knast wird zum Symbol einer Politik, die Sicherheit verspricht und zugleich Empörung produziert.
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