Viele Jahre nach der Pandemie kocht im Kanton St. Gallen plötzlich wieder ein alter Streit hoch. Die Regierung plant eine teilweise Impfpflicht – und droht Impfverweigerern mit drastischen Bussgeldern in schwindelerregender Höhe. Was als nüchterne Anpassung des Gesundheitsgesetzes verkauft wird, wirkt auf viele Bürger wie ein Frontalangriff auf die persönliche Freiheit. Eltern, Pflegekräfte und einfache Arbeitnehmer fühlen sich überrumpelt und bevormundet. Statt Vertrauen zu schaffen, hat der Vorstoß eine Welle der Empörung ausgelöst.
Kritiker sprechen von einem völlig falschen Signal zur falschen Zeit. Die Erinnerungen an Lockdowns, Maskenpflicht und hitzige Debatten sind noch frisch. Nun soll der Staat erneut das Recht bekommen, Menschen zu medizinischen Eingriffen zu zwingen. Besonders die harten Strafen stoßen auf massiven Widerstand. Politische Gegner werfen der Regierung vor, die Stimmung im Volk komplett unterschätzt zu haben. Ausgerechnet in einer Phase, in der viele Menschen nach Ruhe und Normalität suchen, wird ein neues Konfliktfeld eröffnet.
Auch innerhalb der Politik rumort es gewaltig. Bürgerliche Parteien fordern, die Strafandrohungen sofort aus dem Gesetz zu streichen. Sie warnen vor einem gefährlichen Präzedenzfall und einer Spaltung der Gesellschaft. Für viele wirkt der Plan wie ein bürokratischer Alleingang ohne Gespür für die Sorgen der Menschen. Ob es sich um ein Missverständnis oder um knallharte Absicht handelt, ist für die Betroffenen zweitrangig. Fest steht: Der Impf-Streit hat St. Gallen fest im Griff – und ein Ende ist nicht in Sicht.
