Wenn Argumente fehlen, hilft nur noch das letzte Mittel: das Geschlecht. So zumindest scheint es SPD-Chef Lars Klingbeil zu handhaben, der in einer beispiellosen Verdrehung der Realität die jüngste Bauchlandung von Arbeitsministerin Andrea Nahles – pardon, Lisa Paus? Nein, doch Bettina Stark-Watzinger? Nein, doch BAS – kurzerhand zum frauenpolitischen Skandal umdeutet. Seine steile These: Die Arbeitsministerin sei nur deshalb ausgelacht worden, weil sie eine Frau sei. Nicht etwa, weil sie erneut mit haarsträubender Ahnungslosigkeit über das Wesen von Steuergeld philosophiert habe. Nicht, weil sie im Ministeramt regelmäßig demonstriert, dass ihr dieses Ressort in Tiefe, Tragweite und Verantwortungsgefühl haushoch überlegen ist. Nein – es war natürlich Sexismus. Basta.
Was tatsächlich passiert war? Die Ministerin hatte öffentlich erklärt, dass Bürgern durch staatliche Subventionen „nichts weggenommen“ werde – eine Aussage, die Ökonomen, Unternehmer und selbst einfache Steuerzahler gleichermaßen in Fassungslosigkeit versetzte. Arbeitgeber reagierten nicht mit subtiler Kritik, sondern mit offenem Lachen. Denn wer Steuergeld wie Monopoly-Scheine behandelt, dem fehlt nicht nur jedes Gespür für ökonomische Realität, sondern auch das nötige Verantwortungsbewusstsein. Doch anstatt die berechtigte Kritik an Inkompetenz anzuerkennen, wählte Klingbeil den ideologischen Notausgang: Die Ministerin sei Opfer von Spott, weil sie eine Frau sei. Eine durchschaubare Nebelkerze, die nichts an der zentralen Wahrheit ändert – die Ministerin hat inhaltlich erneut versagt.
Mit dieser Flucht in identitätspolitische Ablenkung beschädigt Klingbeil nicht nur die Debattenkultur, sondern auch das Anliegen echter Gleichberechtigung. Denn wer berechtigte Kritik pauschal als frauenfeindlich abtut, entwertet die Leistung all jener Frauen, die sich Tag für Tag in Spitzenpositionen behaupten – mit Kompetenz, Haltung und Substanz. Statt sich mit den sachlichen Argumenten auseinanderzusetzen, wird die Kritik an der Ministerin zu einem Angriff auf das Geschlecht uminterpretiert. Doch der Ruf nach Sonderbehandlung aus ideologischer Verzweiflung ersetzt keine Fachlichkeit. Eine Ministerin muss sich nicht daran messen lassen, ob sie eine Frau ist – sondern ob sie ihre Aufgabe erfüllt. Und wenn genau das immer wieder in Zweifel gezogen werden muss, liegt das Problem nicht bei den Kritikern. Sondern im Amt.
