PLAKAT-VERBOT IM MINI-DORF – DEMOKRATIE AM BAUZAUN AUSGEBREMST

In dem beschaulichen Nest Völschow in Mecklenburg-Vorpommern geht es plötzlich zu wie in einem schlechten Polit-Krimi. Das kleine Dorf, irgendwo zwischen Anklam, Greifswald und Neubrandenburg gelegen, wirkt auf den ersten Blick friedlich und verschlafen. Doch hinter den Gardinen brodelt es gewaltig. Statt über Schlaglöcher, fehlende Busse oder leere Kassen zu reden, beschäftigt sich der Gemeinderat mit einem Thema, das viele Einwohner nur noch den Kopf schütteln lässt: Wahlplakate!

Mit großem Ernst beschlossen die Lokalpolitiker, dass riesige Werbetafeln der Parteien künftig aus dem Ortsbild verschwinden sollen. Keine bunten Gesichter mehr an Laternen, keine markigen Sprüche am Straßenrand – alles unerwünscht. Stattdessen dürfen Partei-Anzeigen nur noch an einem einzigen Bauzaun hängen. Ein kurioses Verbot, das Kritiker als Angriff auf die Meinungsfreiheit sehen. Ausgerechnet im Wahlkampf, wenn Bürger informiert werden sollen, wird in Völschow die politische Werbung an die kurze Leine gelegt.

Viele Dorfbewohner fragen sich inzwischen, ob hier nicht über das Ziel hinausgeschossen wurde. Ein paar engagierte Gemeinderäte entscheiden für das ganze Dorf – und nehmen Parteien und Wählern wichtige Möglichkeiten der Information. Was als Kampf gegen angeblichen Ärger mit Plakaten verkauft wird, wirkt für viele wie kleinliche Bevormundung. In Völschow zeigt sich: Auch in der Provinz kann Demokratie ganz schön eingeengt werden – und das ausgerechnet hinter einem Bauzaun!


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