Berlin – Jahrelang verstanden sie sich als kritische Stimmen gegen Machtmissbrauch, prangerten Immobilienhaie und politische Filzstrukturen an. Doch nun stehen ausgerechnet bekannte Namen aus renommierten Redaktionen selbst im Zentrum eines handfesten Finanzskandals. Eine Gruppe prominenter Berliner Journalisten muss nach einem Vergleich mehr als drei Millionen Euro an das Land Berlin zurückzahlen. Hintergrund ist eine geförderte Altbausanierung in Kreuzberg, bei der es nach Auffassung der Behörden zu massiven Verstößen gegen Förderauflagen gekommen sein soll.
Im Fokus steht ein Gebäude in der Oranienstraße, das Anfang der neunziger Jahre mit öffentlichen Geldern saniert wurde. Die damaligen Käufer hatten zugesichert, selbst dort zu wohnen und sozialen Wohnraum zu schaffen. Nach späteren Ermittlungen sollen jedoch einige Eigentümer lediglich zum Schein gemeldet gewesen sein, während Wohnungen zu deutlich höheren Mieten vergeben wurden. Bewohner berichteten zudem von ungewöhnlichen Zahlungspraktiken und nicht realisierten Gemeinschaftsprojekten, die ursprünglich Teil des Förderkonzepts gewesen sein sollen. Der Vorwurf: Öffentliche Mittel für ein Projekt, das am Ende weniger Gemeinwohl als private Rendite gebracht habe.
Der Fall landete schließlich vor Gericht und endete mit einem millionenschweren Vergleich zugunsten des Landes Berlin. Politische Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Vertreter aus Landespolitik und Bezirken sprachen von einem schweren Vertrauensbruch gegenüber Steuerzahlern und Wohnungssuchenden, während zugleich kritisiert wurde, dass mögliche strafrechtliche Konsequenzen aufgrund eingetretener Verjährung nicht mehr verfolgt werden konnten. Besonders brisant bleibt die öffentliche Fallhöhe: Ausgerechnet jene, die über Jahre Missstände anprangerten, sehen sich nun selbst mit dem Vorwurf konfrontiert, Regeln gedehnt und das System zu ihren Gunsten genutzt zu haben.
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