Was einst als versteckte Traumkulisse galt, ist heute Sinnbild eines entfesselten Urlaubswahns. In der Nähe von Palma hat sich der Caló des Moro auf Mallorca vom stillen Naturjuwel zur überlaufenen Bühne der Selbstdarstellung verwandelt. Der schmale Küstenstreifen platzt täglich aus allen Nähten, Menschen drängen sich Schulter an Schulter, genervt, erschöpft und fixiert auf den einen Moment fürs perfekte Bild. Die Realität ist Lärm, Müll und Aggression, doch auf den sozialen Netzwerken wird weiter das Märchen vom unberührten Paradies erzählt. Der Ort zahlt den Preis für den digitalen Hype, der Rücksichtslosigkeit belohnt und Natur zur Kulisse degradiert.
Der Weg in die Bucht führt ausgerechnet über Privatgelände, ein Umstand, der die Eskalation weiter anheizt. Die Eigentümer sehen sich seit Jahren im Stich gelassen und berichten von vergeblichen Hilferufen an die Behörden. Während die Besuchermassen ungebremst anrollen, bleibt die Verantwortung für Ordnung, Sauberkeit und Schutz der Landschaft an wenigen hängen. Laut Berichten der spanischen Presse, unter anderem der Diario de Mallorca, ist nun der Geduldsfaden gerissen. Der Zugang soll geschlossen werden, rechtlich geprüft und architektonisch vorbereitet, als letzter Ausweg gegen eine Entwicklung, die außer Kontrolle geraten ist.
Die Debatte spaltet die Insel. Für die Anwohner von Santanyí ist die Situation ein Dauerzustand aus Stress und Ohnmacht, für viele Urlauber eine empörende Einschränkung ihrer vermeintlichen Freiheit. Doch der Kern des Problems liegt tiefer. Der Massentourismus frisst sich in sensible Landschaften, angefeuert von Plattformen wie Instagram, die Reichweite über Rücksicht stellen. Wenn Eigentümer nun Zäune planen, ist das kein Akt der Abschottung, sondern ein Alarmruf. Ein Paradies, das nur noch als Hintergrund für Fotos existiert, verliert seinen Wert – für die Natur ebenso wie für die Menschen, die dort leben.
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