Berlin im Dunkeln, die Nerven blank, doch im Roten Rathaus herrscht Wortnebel. Statt klarer Ansagen zur Stromkrise nach dem Anschlag auf das Netz bekommen die Berliner warme Phrasen und Selbstlob serviert. Während ganze Kieze ohne Saft ausharren, Hotels als Notquartiere dienen, Schwimmbäder Duschen öffnen und Feldküchen aushelfen, wirkt der Senat wie ein Zuschauer der eigenen Krise. Die Menschen wollen wissen, wann das Licht zurückkommt und wer hilft – doch sie hören nur Ausflüchte, Beschwichtigungen und ein Mantra aus Zuversicht, das an der Realität vorbeiredet.
Im Mittelpunkt der Verhaspler steht der Regierende. Frei gesprochen, ohne Plan, ohne Linie, stolpert er durch die Lage. Supermärkte seien wieder da, Hotelplätze würden nachjustiert, Polizei stehe präsent – und dann der Satz, der bleibt: Man stehe stark im Raum. Was heißt das für Familien im Kalten, für Pflegebedürftige ohne Steckdose? Statt Verantwortung gibt es Dankesrunden und Lob für Routinearbeit. Der Krisenstab tagt, die Behörden informieren sich gegenseitig, alles laufe gut – sagt der Chef. Für die Betroffenen klingt das wie Hohn. Wer führt hier, wer erklärt, wer entscheidet?
Auch aus den Fachressorts kommt Nebel statt Klartext. Technisches Kauderwelsch ersetzt einfache Worte, Juristendeutsch überdeckt die Sorge der Bürger. Polizei und Feuerwehr melden Ordnung, sprechen von suspekten Substanzen und vulnerablen Personen, als ginge es um Akten, nicht um Menschen. Der Notruf sei erreichbar gewesen, nur die Erreichbarkeit fehlte – ein Satz, der alles sagt. Die zuständige Senatorin zeigt sich betroffen, referiert den Verkehr, zählt Züge auf und dankt sich selbst für bestellte Aggregate. Am Ende bleibt ein bitterer Eindruck: Berlin kämpft, doch die Spitze redet. Und redet. Und redet.
