Ein Urteil mit Sprengkraft: Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat einer umstrittenen Regelung der Trump-Regierung vorläufig zugestimmt – und damit für einen radikalen Kurswechsel in der Geschlechterpolitik gesorgt. Ab sofort dürfen Reisepässe in den USA nur noch „männlich“ oder „weiblich“ als Geschlechtsangabe enthalten. Die Möglichkeit, sich als „divers“ oder mit einem „X“ eintragen zu lassen, wird damit gestrichen. Besonders betroffen sind Transgender- und nicht-binäre Menschen, die sich nun wieder an das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht halten müssen – unabhängig von ihrer Identität oder medizinischen Veränderungen.
Das Gericht, das mehrheitlich konservativ besetzt ist, begründet die Entscheidung mit einem formalen Argument: Das in Pässen eingetragene Geschlecht diene lediglich als historische Angabe, ähnlich wie der Geburtsort oder das Geburtsdatum – und sei damit keine Aussage über die persönliche Identität. Der Vergleich mit objektiven Fakten sei legitim, so die Richter. Doch für Betroffene, Bürgerrechtsorganisationen und LGBTQ+-Verbände bedeutet das Urteil einen herben Rückschlag. Kritiker sprechen von einer gezielten Rückabwicklung jahrelanger Fortschritte, von einem Rückfall in alte Rollenbilder und von einem Angriff auf die Selbstbestimmung.
Die Entscheidung des Supreme Court schlägt international hohe Wellen – und dürfte auch auf europäischer Ebene neue Debatten befeuern. Während einige konservative Stimmen das Urteil als überfällige Rückkehr zu „biologischen Realitäten“ feiern, warnen Menschenrechtsorganisationen vor einem massiven Einschnitt in die persönlichen Freiheiten. Der Beschluss ist nicht nur juristisch bedeutsam – er ist ein politisches Signal. Eines, das weit über das Ausfüllen eines Passformulars hinausreicht. Und das die USA zurück in eine gesellschaftliche Polarisierung treibt, die längst überwunden schien.
