BIS ZU 400.000 EURO: SO VIEL VERDIENEN DIE ARD-INTENDANTEN

Symbolfoto: Gehaltsabrechnung, Euro-Scheine und Münzen auf einem dunklen Schreibtisch, dahinter ein altes Studiomikrofon und ein ausgeschalteter Fernseher
Symbolfoto – Bild KI-generiert

Berlin – Die ARD hat am Montag, 2. November 2026, die Vergütungen ihrer Intendantinnen und Intendanten für das Jahr 2025 veröffentlicht. Spitzenverdiener ist SWR-Intendant Kai Gniffke mit 392.530 Euro Grundgehalt, mit Sachbezügen wie dem Dienstwagen kommt er auf 400.589 Euro. BILD titelt: „ARD-Chefs verdienen bis zu 400.000 Euro“. Die Zahlen in dem Bericht stimmen mit der offiziellen ARD-Tabelle überein. Doch einiges fehlt: Der bestbezahlte Senderchef im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sitzt gar nicht bei der ARD, und die Tabelle zeigt längst nicht alle Geldleistungen. Pressecop24 hat die Liste mit den Primärquellen abgeglichen.

Die Zahlen stammen aus einer Übersicht, die die ARD auf ihrer Website veröffentlicht hat. Bezugsjahr ist 2025, alle Beträge sind dort auf volle Euro aufgerundet. Die Tabelle trennt vier Posten: Jahresbezüge, Aufwandsentschädigung, Sachbezüge und die Summe. Als Sachbezüge weist die ARD den geldwerten Vorteil des privat zu versteuernden Dienstwagens oder der Bahncard und sonstige geldwerte Vorteile aus.

Platz eins: Kai Gniffke, Intendant des Südwestrundfunks. Er erhielt laut ARD Jahresbezüge von 392.530 Euro, dazu 8.059 Euro Sachbezüge, zusammen 400.589 Euro. Das sind rechnerisch rund 33.400 Euro im Monat. Sein Grundgehalt ist laut dem Branchendienst DWDL genauso hoch wie im Jahr zuvor, die Gesamtsumme fiel sogar geringfügig niedriger aus.

Platz zwei: WDR-Intendantin Katrin Vernau mit 348.000 Euro Jahresbezügen und 11.500 Euro Sachbezügen, zusammen 359.500 Euro. Der WDR war jahrelang Spitzenreiter: Ihr Vorgänger Tom Buhrow erhielt laut DWDL in seinem letzten Amtsjahr 2024 insgesamt 453.500 Euro. Durch den Wechsel spart der WDR also fast 100.000 Euro.

Dahinter folgen laut ARD-Tabelle: BR-Intendantin Katja Wildermuth mit 340.267 Euro Jahresbezügen und 7.807 Euro Sachbezügen, zusammen 348.074 Euro. MDR-Intendant Ralf Ludwig kommt auf 280.750 Euro Jahresbezüge und 13.265 Euro Sachbezüge, zusammen 294.015 Euro. Radio-Bremen-Intendantin Yvette Gerner erhielt 289.000 Euro Jahresbezüge und 5.001 Euro Aufwandsentschädigung, zusammen 294.001 Euro – Sachbezüge hatte sie keine.

Beim Hessischen Rundfunk erhielt Intendant Florian Hager 255.000 Euro Jahresbezüge, 3.000 Euro Aufwandsentschädigung und 9.171 Euro Sachbezüge, zusammen 267.171 Euro. SR-Intendant Martin Grasmück kam auf 245.000 Euro plus 1.801 Euro Sachbezüge, zusammen 246.801 Euro. Schlusslicht unter den Landesrundfunkanstalten ist RBB-Intendantin Ulrike Demmer mit 220.000 Euro Jahresbezügen und 13.925 Euro Sachbezügen, zusammen 233.925 Euro.

Beim NDR gab es 2025 einen Wechsel an der Spitze. Joachim Knuth war bis 31. August 2025 Intendant und erhielt bis dahin 248.636 Euro Jahresbezüge, 6.400 Euro Aufwandsentschädigung und 3.800 Euro Sachbezüge, zusammen 258.836 Euro. Sein Nachfolger Hendrik Lünenborg, seit 1. September 2025 im Amt, erhielt für die vier Monate 102.000 Euro und 625 Euro Sachbezüge, zusammen 102.625 Euro.

Auch die Deutsche Welle steht in der Liste. Peter Limbourg, Intendant bis 30. September 2025, erhielt 217.500 Euro Jahresbezüge und 6.248 Euro Sachbezüge, zusammen 223.748 Euro. Seine Nachfolgerin Barbara Massing, seit 1. Oktober 2025 im Amt, kam auf 63.750 Euro und 1.061 Euro Sachbezüge, zusammen 64.811 Euro. Wichtig: Die Deutsche Welle ist zwar Mitglied der ARD, wird aber laut epd aus Steuermitteln des Bundes finanziert – nicht aus dem Rundfunkbeitrag.

Ebenfalls veröffentlicht hat die ARD die Vergütung ihrer Programmdirektorin. Christine Strobl erhielt laut ARD im Jahr 2025 Jahresbezüge von 284.827 Euro, eine Aufwandsentschädigung von 5.520 Euro und 14.183 Euro Sachbezüge für den Dienstwagen, zusammen 304.530 Euro. Ihr Grundgehalt entspricht laut epd dem Vorjahresniveau.

Was ist neu im Vergleich zu früheren Listen? Vor allem die Namen, kaum die Beträge. Die ARD legt laut DWDL schon seit Jahren jährlich offen, was ihre Intendanten im Vorjahr erhalten haben. Generell gilt laut dem Branchendienst: Wo neue Intendanten ins Amt kamen, fielen die Bezüge niedriger aus, bei allen anderen änderte sich wenig. Laut epd blieben die Grundgehälter von Wildermuth, Ludwig, Hager und Grasmück genau auf dem Niveau von 2024. Radio-Bremen-Chefin Gerner bekam etwas mehr als im Vorjahr, damals waren es 284.536 Euro. Bei der Deutschen Welle sank die Summe für Limbourg vor allem, weil er nur neun Monate im Amt war: Für das volle Jahr 2024 standen laut epd noch 290.000 Euro in der Liste.

Der größte Einschnitt ist der Abschied von Tom Buhrow beim WDR. Er war laut DWDL bislang der Topverdiener der ARD. Seine Nachfolgerin Vernau bekommt deutlich weniger. Damit rutscht Gniffke auf Platz eins, ohne selbst mehr zu verdienen. Die Rangliste hat sich also verschoben, weil ein Spitzengehalt weggefallen ist – nicht, weil beim SWR mehr gezahlt wurde.

Was stimmt an der BILD-Darstellung? Die Einzelzahlen decken sich durchweg mit der ARD-Tabelle. Auch die Summe stimmt: Rechnet man alle zwölf Namen der Intendanten-Tabelle zusammen, kommt man auf 3.094.096 Euro, also tatsächlich „über drei Millionen“. Die Formulierung „zwölfköpfige Chefetage“ ist allerdings schief. Es handelt sich um zehn Ämter – neun Landesrundfunkanstalten und die Deutsche Welle. Zwölf Personen stehen nur deshalb in der Liste, weil NDR und Deutsche Welle 2025 ihre Spitze wechselten. Programmdirektorin Strobl ist in dieser Summe nicht enthalten.

Auch die Überschrift „bis zu 400.000 Euro“ ist knapp bemessen. Nur ein einziger ARD-Intendant liegt über dieser Marke, und das auch nur mit Sachbezügen. Sein Grundgehalt liegt darunter. Die meisten Intendanten erhielten zwischen rund 220.000 und 350.000 Euro Jahresbezüge.

Was BILD nicht erwähnt: Der Spitzenverdiener im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist gar kein ARD-Chef. Laut epd hat auch das ZDF die Bezüge seiner Spitzenmanager für 2025 veröffentlicht. Demnach erhielt ZDF-Intendant Norbert Himmler 399.060 Euro, im Vorjahr waren es 382.560 Euro. Dazu kamen 5.890 Euro Sachbezüge. Damit liegt er beim Grundgehalt über Gniffke. ZDF-Programmdirektorin Nadine Bilke bekam laut epd 256.440 Euro Jahresbezüge nach 245.880 Euro im Vorjahr. Beim ZDF stiegen die Grundgehälter der Spitze also, während sie bei den meisten ARD-Anstalten gleich blieben.

Noch wichtiger: Die ARD-Tabelle zeigt nicht alle Geldleistungen. Die Grundvergütung sei nur ein Teil der Bezüge, schreibt der Evangelische Pressedienst. Hinzu kämen „zusätzliche Leistungen für Tätigkeiten bei Tochterfirmen der Sender oder der ARD“. Diese Zusatzleistungen stehen nicht in der ARD-Übersicht. Auch Zahlungen für die Altersversorgung fehlen dort.

Wie viel Geld zusätzlich fließen kann, zeigt der Transparenzbericht des SWR. Dort sind neben dem Intendanten auch alle Direktorinnen und Direktoren aufgeführt. Die meisten Direktoren erhielten 2025 laut SWR Jahresbezüge von 250.606 Euro, dazu eine pauschale Aufwandsentschädigung von 1.848 Euro und je nach Dienstwagen unterschiedliche Sachbezüge. Die höchste Gesamtsumme unter den Direktoren hatte laut SWR die Landessenderdirektorin Baden-Württemberg Stefanie Schneider mit 275.888 Euro, davon 23.434 Euro Sachbezüge. Zudem wendete der SWR für die Mitglieder seines Direktoriums insgesamt 103.414 Euro für sogenannte Zeitwertkonten auf. Das Guthaben darauf kann laut SWR grundsätzlich nur für ein früheres Ausscheiden aus dem Berufsleben oder für Pflegefreistellungen genutzt werden.

Boni im klassischen Sinne weisen weder die ARD-Tabelle noch der SWR-Bericht aus. Der SWR nennt aber sonstige Leistungen wie Familienzuschlag, Beihilfen für Altbeschäftigte, Jubiläumszahlungen und Essensgeldzuschuss nach den geltenden Regelungen. Konkret veranlasste Auslagenerstattungen werden laut SWR nicht aufgeführt.

Wer legt diese Gehälter fest? Die Intendanten bestimmen ihre Bezahlung nicht selbst. Laut ARD entscheiden die Aufsichtsgremien der jeweiligen Rundfunkanstalt, in der Regel der für die Finanzkontrolle zuständige Verwaltungsrat. Mitglieder der Geschäftsleitungen und überwiegend auch Hauptabteilungsleiter werden außertariflich bezahlt. Die übrigen festangestellten Mitarbeiter werden nach Tarifverträgen bezahlt.

Seit Jahren steht das Gehaltsniveau in der Kritik. Die unabhängige Finanzkommission KEF forderte in ihrem 24. Bericht einen gemeinsamen Vergütungsrahmen für Führungskräfte. Das Vergütungsniveau solle sich „grundsätzlich am Gehaltsniveau des öffentlichen Sektors einschließlich vergleichbarer öffentlicher Unternehmen orientieren“, schreibt die Kommission. Laut einer Stellungnahme im NRW-Landtag empfahl die KEF zudem, Verträge für Geschäftsleitungsmitglieder möglichst ohne Pensionszusage abzuschließen, da hohe Gehälter bereits eine eigene Altersvorsorge erlaubten.

Und der Vergleich mit dem Bundeskanzler? Laut einem dpa-Faktencheck vom Juli 2026 beträgt das monatliche Amtsgehalt von Bundeskanzler Friedrich Merz 20.675,42 Euro. Aufs Jahr gerechnet sind das rund 248.000 Euro – ohne Zulagen, Dienstaufwandsentschädigung und seine gekürzten Bezüge als Bundestagsabgeordneter. Beim reinen Amtsgehalt liegen damit sechs Intendantinnen und Intendanten über dem Regierungschef. Rechnet man beim Kanzler Abgeordnetenbezüge und Pauschalen dazu, ist der Abstand deutlich kleiner.

KOMMENTAR / MEINUNG: Es ist schon eine besondere Form der Bescheidenheit, wenn ein Sender stolz verkündet, dass sein Intendant jetzt weniger verdient als sein Vorgänger. Der Beitragszahler darf sich freuen: Man nimmt ihm nur noch ein bisschen weniger viel ab. Sparen auf hohem Niveau nennt man das wohl.

KOMMENTAR / MEINUNG: Die ARD lobt sich für ihre Transparenz, und tatsächlich veröffentlicht sie jedes Jahr ihre Tabelle. Dumm nur, dass die wirklich interessanten Posten wie Tochterfirmen, Zeitwertkonten und Altersversorgung nicht in dieser Tabelle stehen. Transparenz ist eben auch eine Frage, wo man das Licht anknipst.

KOMMENTAR / MEINUNG: Dass mehrere Senderchefs mehr Amtsgehalt bekommen als der Bundeskanzler, mag rechtlich in Ordnung sein. Den Menschen, die monatlich ihren Rundfunkbeitrag überweisen, erklärt sich das trotzdem schwer. Die Finanzkommission hat längst gemahnt, sich am öffentlichen Dienst zu orientieren. Passiert ist bisher erstaunlich wenig.

Was meinen Sie: Sind die Gehälter der ARD-Intendanten angemessen – oder sollte es eine feste Obergrenze geben? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in die Kommentare und teilen Sie diesen Artikel!

Quellen:
ARD: Gehälter und Vergütungen (Bezugsjahr 2025): https://www.ard.de/die-ard/organisation-der-ard/gehaelter-und-verguetungen-in-der-ard-100.html
SWR: Vergütung der Geschäftsleitung 2025: https://www.swr.de/unternehmen/organisation/geschaeftsbericht-2025-verguetung-geschaeftsleitung-2025-100.pdf
epd medien: SWR-Intendant Gniffke an der Spitze der Top-Verdiener: https://medien.epd.de/article/5472

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