Bewertungsschema: Der neue Pflege-TÜV ist zu kompliziert!

 

Der bisherige Pflege-TÜV ist eine Farce, denn er gibt auch solchen Pflegeheimen Bestnoten, die nicht einmal ein „Ausreichend“ verdient hätten. Das liegt daran, dass sich die Noten bisher aus den Eigendarstellungen der Heime ableiteten. Damit soll nun Schluss sein, und das ist gut so. Vom kommenden Jahr an sollen sich Pflegebedürftige und ihre Angehörigen im Internet umfassend über die Bedingungen in den 13.000 Heimen informieren können. Die Bewertungen der Heime sollen künftig nicht nur auf Auskünften der Heime selbst, sondern auch auf externen Prüfungen und Befragungen von Bewohnern fußen. Dadurch wird eine objektivere und realistischere Bewertung möglich. Einigen Betreibern wird das sicher nicht gefallen. Insgesamt etwas schlechtere Noten für die Heime könnten den Druck weiter erhöhen, die Personalnot bei Pflegekräften im eigenen Haus effektiver zu bekämpfen. Denn schlechte Bewertungen sind fast überall das Resultat von krassem Personalmangel in den Pflegeheimen und der nach wie vor viel zu schlechten Bezahlung in den wichtigen Pflegeberufen. Das neue System des Pflege-TÜVs wird nun aber ausgerechnet den Aufwand für das ohnehin überlastete Pflegepersonal erhöhen, das mithelfen soll beim fleißigen Datensammeln. Es ist zu umständlich, auch für die externen Prüfer der Kassen, und vor allem zu kompliziert für die Bürger. Nur wer genügend Zeit und Geduld aufbringt, wird sich durch die Datenfülle wühlen, die ab Mitte 2020 im Netz zur Verfügung stehen soll. Eine klare Aussage darüber, welches Heim für das eigene Familienmitglied das beste ist, dürfte sich auch aus dem neuen Bewertungsschema beim Pflege-TÜV selten fällen lassen. Dazu bedürfte es dann doch wieder einer einfach zu verstehenden und vergleichbaren Bewertung – mit Schulnoten und K.o.-Kriterien.

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