Ceuta – Ein erschütternder Fall sorgt in der spanischen Exklave Ceuta für Entsetzen und rückt die gefährliche Situation vieler minderjähriger Migrantinnen erneut in den Mittelpunkt. Eine erst 17 Jahre alte Jugendliche soll am Strand von El Trampolín brutal vergewaltigt worden sein – mitten in einem Gebiet, in dem nach dem massiven Zustrom von Migranten weiterhin Tausende Menschen teilweise in provisorischen Lagern und Zelten leben. Nach Medienberichten nahm die spanische Nationalpolizei am Samstag zwei marokkanische Männer im Alter von 42 und 21 Jahren fest. Sie stehen unter dem Verdacht, die Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Eine Spezialeinheit der Polizei war demnach alarmiert worden, nachdem aus dem Bereich des Lagers Schreie gemeldet worden waren. Als die Einsatzkräfte eintrafen, soll die 17-Jährige gerade eines der Zelte verlassen haben. Ihr Zustand war nach Angaben aus dem Polizeibericht dramatisch: Die Jugendliche sei nur noch halb bei Bewusstsein gewesen, habe kaum auf den Beinen stehen können und Schnittverletzungen im Gesicht sowie an einem Bein aufgewiesen. Außerdem habe sie im Genitalbereich geblutet. Die Ermittler prüfen Berichten zufolge auch, ob ihr möglicherweise eine bewusstseinshemmende Substanz verabreicht worden sein könnte. Noch vor den Augen der Polizisten brach das Mädchen zusammen. Zweimal musste die Jugendliche nach den vorliegenden Berichten wiederbelebt werden, bevor sie zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden konnte. Die beiden festgenommenen Männer verweigerten dem Bericht zufolge eine Aussage und bestritten, die 17-Jährige überhaupt zu kennen. Ob und in welchem Umfang sich die Vorwürfe gegen die Beschuldigten bestätigen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Doch der Fall erschüttert Ceuta auch deshalb so sehr, weil es sich offenbar nicht um einen isolierten Verdacht handelt. Seit dem Zustrom Zehntausender Migranten im Juli ermittelt die spanische Staatsanwaltschaft laut den vorliegenden Angaben in mindestens 23 Fällen wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe auf Migrantinnen. Besonders alarmierend: Die betroffenen Mädchen sollen lediglich zwischen 14 und 17 Jahre alt sein. Unter den bislang acht Verdächtigen befinden sich nach den veröffentlichten Angaben vier Marokkaner, drei Spanier und ein Belgier. Die Ermittlungen werfen damit ein grelles Schlaglicht auf die Situation unbegleiteter Minderjähriger in der spanischen Exklave. Nach Angaben der Behörden befinden sich noch immer rund 1500 Minderjährige in Ceuta. Etwa 700 davon sollen Mädchen sein. Viele von ihnen leben weiterhin nicht in dauerhaft gesicherten Einrichtungen, sondern in Notunterkünften oder provisorischen Lagern. Medienberichten zufolge befanden sich zuletzt knapp 300 Mädchen sogar außerhalb regulärer Betreuungseinrichtungen. Gerade diese Jugendlichen gelten als besonders gefährdet, weil sie ohne Eltern oder andere enge Bezugspersonen in einer völlig neuen Umgebung leben und gleichzeitig auf Schutz, Betreuung und funktionierende staatliche Strukturen angewiesen sind. Hilfsorganisationen und Politiker warnen deshalb bereits seit Wochen davor, dass Überfüllung, unzureichende Betreuung und unsichere Unterkünfte eine gefährliche Mischung bilden könnten. Vor allem Mädchen könnten dadurch leichter Opfer von Gewalt, Ausbeutung oder sexuellen Übergriffen werden. Der Fall der 17-Jährigen zeigt auf dramatische Weise, welche Folgen entstehen können, wenn Minderjährige über längere Zeit in unsicheren und schwer kontrollierbaren Strukturen leben müssen.
Der politische Druck auf die Verantwortlichen wächst deshalb weiter. Spaniens Jugend- und Familienministerin Sira Rego, 52 Jahre alt, hatte bereits gefordert, unbegleitete Minderjährige möglichst schnell aus Ceuta auf das spanische Festland zu bringen. Genau diese Verteilung kommt jedoch offenbar nur schleppend voran. Während Behörden über Zuständigkeiten, Unterbringungsplätze und die Verteilung der Jugendlichen beraten, bleiben Hunderte Minderjährige vor Ort – darunter rund 700 Mädchen, von denen viele unter Bedingungen leben müssen, die von Hilfsorganisationen seit Wochen als problematisch bezeichnet werden. Für die Jugendlichen bedeutet jede weitere Verzögerung zusätzliche Unsicherheit. Die Vorwürfe rund um die mutmaßliche Vergewaltigung der 17-Jährigen verschärfen nun die Debatte darüber, ob der Schutz der Minderjährigen ausreichend gewährleistet ist und wie schnell sichere Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden können. Gleichzeitig laufen die strafrechtlichen Ermittlungen gegen die beiden festgenommenen Männer weiter. Für die Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Doch unabhängig vom Ausgang dieses einzelnen Verfahrens zeigen die mindestens 23 Ermittlungsfälle wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe, die acht bislang genannten Verdächtigen und die große Zahl minderjähriger Mädchen in unsicheren Unterkünften, wie angespannt die Lage in Ceuta ist. Die entscheidende Frage lautet deshalb inzwischen nicht mehr nur, wie die Migranten untergebracht werden sollen – sondern vor allem, wie Minderjährige wirksam vor Gewalt und sexuellem Missbrauch geschützt werden können.
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