Der schwachsinnige Einheitsbrei auf Wahlplakaten: Vertrauen in Umsetzung von Versprechen gering

Es sind so viele wie nie zuvor: 6.000 Kandidaten und stolze 47 Parteien treten dieses Jahr bei der Bundestagswahl an. Ein Rekordbrecher seit der deutschen Wiedervereinigung. Sie alle kämpfen um die Stimme der Bürger. Auf der Straße, auf der Bühne, auf Flyern, in den sozialen Medien und auf Wahlplakaten. Wo man hinschaut, stößt das Auge auf lächelnde Kandidaten, mal kleinere, mal größere Logos und natürlich die unerlässlichen Wahlslogans. Sie sind eines der Hauptbestandteile der Plakate und das, womit die meisten Parteien ihre Wähler in ihren Bann ziehen möchten. Laut dem Wahlforscher Prof. Dr. Frank Brettschneider geht eine wichtige Signalfunktion mit den Wahlplakaten einher. „Plakate machen uns zunächst einmal darauf aufmerksam, dass die heiße Phase des Wahlkampfes begonnen hat“, erklärt Prof. Dr. Brettschneider. „Die Funktion von Plakaten ist, auf Themen aufmerksam zu machen, die für eine Partei günstig sind.“ Eine gute Kampagne hilft. Doch die schiere Flut von Plakaten auf den Straßen überwältigt. Die an jeden Pfeiler geklatschten Slogans vermischen sich in den Erinnerungen. Oft ist es schwer, sie den Parteien noch zuzuordnen. Zudem kommt, dass sie politische Versprechen machen, die von vielen Bürgern kaum noch ernst genommen werden. „Es sind immer dieselben Sprüche und immer darauf gezielt, dass man die Partei positiv sieht“, sagt eine Passantin bei einer RT DE-Umfrage in Berlin. „Ich nehme diese Sprüche gar nicht ernst, egal welche Partei“, meint ein anderer. „Es ist viel mehr Gerede im Endeffekt, was auf den Plakaten steht, als das, was sie dann wirklich umsetzen“, sagt eine Dritte. Viel Gerede. Wenig dahinter. Das Vertrauen in die politische Umsetzung der Wahlsprüche scheint unter den Bürgern ziemlich gering. Aber wenn die Wahlplakate sie nicht mehr überzeugen und von vielen auch nicht mehr ernst genommen werden, braucht man sie dann überhaupt? Prof. Dr. Heidrun Kämper vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache bejaht: „Die Wahlplakate sind ständig präsent. Und durch diese ständige Präsenz, durch diese ständige Wiederholung, die erzeugt wird, haben sie eine ganz andere Funktion als einmalige Fernsehauftritte oder eben auch in den sozialen Medien“, erklärt Prof. Dr. Kämper. Die Wiederholung von Wahlplakaten kann also sehr wirkungskräftig sein. Vor allem, wenn sie relevante Themen ansprechen und gut gestaltet sind. Angesichts des Verdrusses der Menschen und des emotionalen Einheitsbreis, den die Plakate verursachen, ist es allerdings schwer zu beurteilen, wie viel sie am Ende wirklich bei der Wahlentscheidung bewirken.

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