Was als glanzvoller Abend der Filmkunst gedacht war, endete in einem handfesten Polit-Eklat, der die Berlinale erschütterte und für fassungslose Gesichter im Saal sorgte. Statt Dankesworten und cineastischer Leidenschaft nutzte ein ausgezeichneter Filmemacher das internationale Rampenlicht für eine wütende Abrechnung mit der deutschen Politik. Mit einer Palästinenser-Flagge in der Hand erhob er schwere Vorwürfe, sprach von Schuld, Verantwortung und historischen Konsequenzen – Worte, die wie ein Donnerschlag durch den festlich gekleideten Saal hallten und die Stimmung schlagartig kippen ließen.
Mitten im Publikum saß als einziger Vertreter der Bundesregierung Umweltminister Carsten Schneider – und reagierte demonstrativ. Während die Rede immer schärfer wurde, erhob sich der Minister und verließ den Saal. Ein stiller, aber unübersehbarer Protest gegen die Anschuldigungen auf der Bühne. Aus Regierungskreisen hieß es anschließend unmissverständlich, die geäußerten Vorwürfe seien nicht akzeptabel und entsprächen nicht der Haltung Deutschlands, das Israels Vorgehen als Selbstverteidigung nach dem Terrorangriff betrachtet. Der Moment wurde hinter den Kulissen sofort zum Gesprächsthema, während im Saal betretene Stille und vereinzelte Zwischenrufe miteinander rangen.
Doch der Redner zeigte sich unnachgiebig und legte nach. Mit eindringlichen Worten kündigte er an, man werde sich an Freunde wie an Gegner erinnern, und zeichnete das Bild einer Zukunft, in der kulturelle Veranstaltungen eines Tages auch in Gaza stattfinden sollten. Das Publikum reagierte gespalten, zwischen Applaus und hörbarem Unmut, zwischen Zustimmung und Ablehnung. Ein Festival, das eigentlich Brücken schlagen will, wurde so für einen Abend selbst zur Bühne eines politischen Konflikts – und hinterließ eine Berlinale, über die nun nicht wegen Filmen, sondern wegen eines historischen Streits gesprochen wird.

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