In den USA tobt gerade der Prozess gegen Lindsay Clancy – und die schockierenden Details lassen das Blut in den Adern gefrieren. Die 36-jährige Frau, die im Rollstuhl vor Gericht erscheint, hat ihre eigenen drei Kinder brutal erwürgt. Doch hinter der Tat steckt ein düsteres Geheimnis: ein wahrer Psychopharmaka-Cocktail, der sie angeblich in den Wahnsinn stürzte. Von Konstantin DemeterDerzeit läuft in den USA der Prozess gegen Lindsay Clancy, die im Januar 2023 ihre eigenen drei Kinder mit Trainingsbändern erwürgt hat. Nach der Geburt ihres jüngsten Sohnes litt sie unter einer Wochenbettpsychose, gegen die sie mit einem Psychopharmaka-Cocktail «behandelt» wurde. In der Psychiatrie geht es heute vor allem darum, Pillen zu verkaufen. Das hat dramatische Folgen. Manche dieser Medikamente können unter anderem Selbstmord- und Mordgedanken verursachen oder verstärken. So standen die Schützen nahezu aller Massenschießereien in den USA offenbar unter der Wirkung von verschreibungspflichtigen Antidepressiva.
Das hat den US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. auf den Plan gerufen: Im September 2025 hat er die Untersuchung eines möglichen Zusammenhangs zwischen Medikamenten und Amokläufen angeordnet. Und ebenfalls im letzten Jahr deckte eine Neuanalyse zum weit verbreiteten Antidepressivum Prozac auf, dass unerwünschte Ereignisse dramatisch unterbewertet und Selbstmorde unter den Teppich gekehrt wurden.Ein besonderer Fall von Gewalt, die mutmaßlich durch Psychopharmaka verursacht wurde, ist der erschütternde Fall der US-Amerikanerin Lindsay Clancy, gegen die derzeit ein Prozess läuft. Wie die BBC berichtet, hat sie im Januar 2023 ihre eigenen drei Kinder im Keller des Familienhauses in Massachusetts mit Trainingsbändern erwürgt. Danach sprang sie aus einem Fenster im ersten Stock. Die heute 36-jährige Clancy ist seitdem gelähmt und nimmt im Rollstuhl am Prozess teil.Die Krankenschwester Clancy bestreitet dem Sender zufolge die Tötungen nicht. Sie bekenne sich aber im Sinne der Anklage bezüglich der Vorwürfe des Mordes für nicht schuldig. Laut ihren Anwälten litt sie zum Tatzeitpunkt an einer Wochenbettpsychose, fachlich eine postpartale Psychose. Gesundheitsbehörden zufolge handelt es sich dabei um eine seltene, schwere psychische Erkrankung, die kurz nach der Geburt eines Kindes auftreten kann und als medizinischer Notfall behandelt werden sollte. Sie unterscheidet sich demnach stark vom sogenannten «Babyblues».Gemäß der BBC wirft die Staatsanwaltschaft Clancy jedoch vor, eine kalkulierte Entscheidung getroffen zu haben, um ihre Kinder – die fünfjährige Cora, den dreijährigen Dawson und den acht Monate alten Callan – vorsätzlich zu töten. Sie sei wegen dreifachen Mordes ersten Grades angeklagt.
Nach drei Wochen mit Zeugenaussagen von dutzenden Personen schloss die Staatsanwaltschaft laut dem Sender am Montag ihre Beweisaufnahme ab. Die Verteidigung habe daraufhin mit der Darlegung ihrer Argumente anhand persönlicher Anekdoten von Familienmitgliedern begonnen.Lindsay Clancy habe vor der Tötung ihrer drei Kinder «um Hilfe gefleht», sagte demnach ihre ehemalige Schwiegermutter Susan Clancy vor Gericht aus. Nach der Geburt ihres jüngsten Sohnes habe die «sehr fürsorgliche, sehr liebevolle» Mutter unter Schlaflosigkeit gelitten und ihren Appetit verloren. Sie sei «sehr ängstlich und traurig» gewesen. Damit bestätigte sie die Aussagen anderer Zeugen, die berichteten, dass sich Lindsays psychischer Zustand nach der Geburt ihres jüngsten Sohnes verschlechtert habe. Auf die Frage eines Verteidigers, ob Lindsay jederzeit «daran interessiert gewesen sei, dass es ihr besser geht und Ärzte aufzusuchen», antwortete Susan Clancy: «Sehr sogar.»Laut Paula Musgrove, Clancys Mutter, wollte sie «schon immer Mutter sein und viele Kinder haben». Sie habe das Gefühl gehabt, «dass es das Beste war, was ihr je passiert ist.» Dann soll Clancy jedoch Schlafprobleme bekommen und in einer Textnachricht mitgeteilt haben, dass sie «wirklich krank» sei.Einen Monat vor den Tötungen sei ihre Tochter zu ihr und Clancys damaligem Ehemann, Patrick Clancy, gekommen, so Musgrove. Sie habe ihnen gesagt, «dass sie Gedanken daran hatte, den Kindern etwas anzutun», und ergänzt: «Das bin nicht ich, so war ich noch nie.» Musgrove habe ihr zugestimmt, denn sie sei tatsächlich «noch nie so gewesen».
Der BBC zufolge erklärte die Verteidigung, Clancy habe nach der Geburt von Callan unter Halluzinationen und Wahnvorstellungen gelitten und sich wegen psychiatrischer Probleme in medizinischer Behandlung befunden. Kurz vor den Todesfällen habe sie sich selbst für einige Tage in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Sie habe ihrer Schwester außerdem erzählt, im Monat vor den Tötungen jeden Tag von Suizidgedanken geplagt worden zu sein.Worauf die BBC nicht näher eingeht, ist die psychiatrische Behandlung von Lindsay Clancy.
CNN weist hingegen auf eine Notiz hin, die laut der Staatsanwaltschaft auf ihrem Handy gefunden wurde. Demnach wurde sie Ende Dezember 2022 verfasst und zuletzt am Tag vor der Tötung ihrer drei kleinen Kinder geändert. Clancy schrieb:«
Die Medikamente haben mir meine Mutterschaft und mein Leben geraubt. Ich war die gesündeste und glücklichste Mutter. Ich habe jeden Morgen trainiert, meditiert und auf mich geachtet, damit ich für meine Kinder die Beste sein konnte. Bis mir verschreibungspflichtige Medikamente meinen eigenen Körper geraubt haben. Es begann mit leichten postpartalen Angstzuständen.»In anderen Aufzeichnungen, die auf ihrem Handy gefunden wurden, beschrieb Clancy laut CNN ausführlich ihre Ängste und Depressionen, die Herausforderungen bei der Erziehung ihrer Kinder und ihr Zögern, neue Medikamente einzunehmen. Zudem sei eine Liste mit «positiven Affirmationen» enthalten gewesen, wie etwa:
«Ich werde das durchstehen. Ich werde meine postpartalen Ängste und meine Depression überwinden. Ich bin eine tolle Mutter. Ich liebe meine Kinder.»
In der am 23. Januar 2023 zuletzt geänderten Notiz hat Clancy festgehalten, dass sie nach der Geburt ihres jüngsten Kindes, das keine Flasche annehmen wollte und einen strengen Schlafplan hatte, mit Angstzuständen zu kämpfen hatte.«Ich musste mich um drei kleine Kinder kümmern und war ein bisschen ängstlich. Also tat ich, was man so tut (…), ich bat einen Psychiater um etwas Zoloft», steht weiter in der Notiz.Nachdem Clancy ihre Dosis gemäß den Anweisungen des Arztes erhöht hatte, konnte sie dem Eintrag zufolge «kein Auge zutun». Ihr Psychiater habe ihr geraten, die Einnahme von Zoloft einzustellen, und ihr empfohlen, das Benzodiazepin Ativan und das Beruhigungsmittel Benadryl einzunehmen, um besser schlafen zu können.
«Da ging es dann bergab», stellte Clancy fest und erklärte, sie sei «abhängig» von den Medikamenten geworden, um einschlafen zu können.Laut CNN stimmen Teile des Schreibens mit den Aussagen von Zeugen im Prozess überein, darunter mehrere von Clancys behandelnden Ärzten, die ausgesagt hätten, dass sie mit Angstzuständen und Schlaflosigkeit zu kämpfen gehabt hätte. Zwei Ärzte hätten erklärt, Clancy habe nach der Einnahme von Zoloft Schlafprobleme gehabt. Ein anderer habe berichtet, sie habe angegeben, 48 Stunden lang ununterbrochen wach gewesen zu sein.
Clancys Psychiaterin, Dr. Jennifer Tufts, sagte aus, sie habe Clancy daraufhin Ativan verschrieben, das sie bei starken Angstzuständen einnehmen sollte. Anfang November habe sie sich mit Clancy auf einen Plan geeinigt, das Benzodiazepin schrittweise abzusetzen, da dieses Medikament das Risiko einer Abhängigkeit berge. Doch bereits im folgenden Monat habe Tufts erfahren, dass Clancy begonnen hatte, mehrere andere Medikamente einzunehmen, die ihr von einem anderen Arzt verschrieben worden waren.
«Ohne das Ativan hatte sie große Schlafprobleme», sagte die Psychiaterin aus.Gemäß CNN geht aus den Aussagen hervor, dass Clancy in den Monaten vor der Tötung ihrer Kinder mehrere Ärzte aufgesucht hatte, wiederholt ihre Medikamente wechselte und verschiedene Behandlungseinrichtungen besuchte – darunter auch einen mehrtägigen Aufenthalt in einer geschlossenen Abteilung Anfang Januar 2023.
Clancys Verteidiger habe auf zahlreiche Internetsuchen auf ihrem Handy hingewiesen, die sich auf die Betreuung und das Spielen mit Kindern bezogen haben, darunter Suchanfragen zu Trampolinen und Kinderfilmen. Bei anderen Suchanfragen im Januar 2023 sei es hingegen um verschreibungspflichtige Medikamente und psychische Störungen gegangen, darunter Schizophrenie, Psychosen, Halluzinationen und bipolare Störungen.
Auch Suchanfragen zum Thema Selbstmord habe das Handy enthalten.Detailliert befasst sich der US-Journalist Benjamin Bartee auf Armageddon Prose mit Clancys psychischer Behandlung. Er bestätigt, dass Clancy in den vier Monaten vor den Tötungen mehrere Psychiater aufgesucht hatte. Von September 2022 bis zu dem Zeitpunkt, als sie im Januar 2023 ihre eigenen Kinder ermordete und aus dem Fenster sprang, wurden Clancy laut Bartee nicht weniger als 13 Psychopharmaka von verschiedenen Anbietern verabreicht.
Keiner von ihnen habe sich die Mühe gemacht, die verschriebenen Therapien aufeinander abzustimmen, obwohl sie gewusst hätten, dass sie bei anderen Ärzten in Behandlung war und unter extremen Nebenwirkungen litt.
So erhielt die Krankenschwester:Sertralin (Zoloft)
Lorazepam (Ativan)
Hydroxyzin
Clonazepam (Klonopin)
Buspiron
Amitriptylin
Trazodon
Fluoxetin (Prozac)
Zolpidem (Ambien)
Mirtazapin (Remeron)
Quetiapin (Seroquel)
Diazepam (Valium)
Lamotrigin (Lamictal)
Clancys Psychiaterin, Dr. Jennifer Tufts, sagte laut Bartee bei dem Prozess aus, dass sie alle «Therapie»-Sitzungen mit Clancy, die insgesamt 17 Minuten dauerten, über Zoom oder ein ähnliches Programm durchgeführt habe, also mittels dessen, was man in der Branche als «Telemedizin» bezeichnet. Der Journalist weiter:«Sie hatte Clancy, ihre eigene Patientin, der sie zahlreiche starke Medikamente gleichzeitig verschrieben hatte, buchstäblich noch nie persönlich gesehen, bis sie bei der Verhandlung aussagte – eine Tatsache, die Clancys Anwalt aus ihrer katastrophalen Aussage herausarbeitete.
»Tufts habe bei der Befragung ferner zugegeben, dass sie nicht einmal den Standard-Diagnosetest für postpartale Depressionen, die Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS), durchgeführt hatte. Darüber hinaus habe sie zugeben müssen, dass sie selbst nicht mit den Einzelheiten dieses Tests vertraut war.Bartee zufolge hat Lindsay den angesehenen medizinischen Fachkräften, die mit ihrer Heilung betraut waren, tatsächlich wiederholt berichtet, dass die Medikamente, die sie ihr verabreicht hatten, sie noch tiefer in die Psychose getrieben haben:Sie fühlte sich «wie ein Zombie».
«Ich bekam plötzlich sehr aufdringliche Gedanken, die ich zuvor nie gehabt hatte.»
«Das Gefühl, ich würde sterben» als Reaktion auf Remeron.
«Düstere Gedanken».
Das Gefühl, eine Abhängigkeit von Ativan zu entwickeln.Der Journalist fragt sich, wie sie hätten wissen sollen, welche Medikamente welche Wirkung hatten, wo sie doch ein Dutzend verschiedene einnahm. «Offensichtlich konnten sie das nicht. Vielmehr beschossen sie das Ziel wahllos mit automatischem Pharma-Feuer und hofften, dass etwas treffen würde», so die Antwort.Bartee nennt die Psychiatrie eine «teuflische Pseudowissenschaft». Er wisse, wovon er spreche, denn er sagt, selbst schon einen Benzodiazepin-Entzug durchgemacht zu haben.
Deshalb könne er allen, die das noch nicht erlebt haben, versichern:«Wenn es eine Hölle gibt, in die diese Ärzte kommen, dann ähnelt sie wahrscheinlich sehr stark einem Benzodiazepin-Entzug. Natürlich warnen ‹Die Experten™› ihre Patienten niemals vor dem Suchtpotenzial, wenn sie diese Medikamente wie Bonbons verschreiben, und viele wissen buchstäblich nicht einmal, dass dieses Risiko überhaupt besteht.»Der Journalist fügt seinem Beitrag ein Video bei, das eine Frau zeigen soll, die unter Benzodiazepin-Entzug leidet.
Kurz nachdem das Video aufgenommen worden sei, habe sie sich umgebracht. Zu Clancys Fall meint er sarkastisch:«Clancy trug ihre Bedenken ihren vertrauten Ärzten vor. Um ihrer Patientin bei ihrer medikamenteninduzierten Psychose zu helfen, bestand ihre Lösung darin, ihr neue Medikamente zu verschreiben. Und dann noch ein paar mehr. Nur um mal zu sehen, was passiert. Dann findet die Polizei drei erwürgte Kinder in einem Keller und eine Frau, die im Schnee unter einem Fenster liegt, aus dem sie gesprungen war, mit einer Körperkerntemperatur von 82 Grad [Fahrenheit].
»Abschließend behandelt Bartee die Frage, warum man die Psychiater nicht anklagt. Denn für ihn ist klar:«Die Psychiatrie hat Clancys Kinder höchstwahrscheinlich ermordet.»Der Journalist argumentiert, dass sich alle Ärzte von Clancy an die «plausible Leugnung» (plausible deniability) halten. Dabei werde standardmäßig argumentiert, dass Clancy bereits psychisch krank gewesen sei, bevor sie überhaupt «behandelt» wurde – folglich hätte sie ihre Kinder wahrscheinlich ohnehin getötet.
Bartee resümiert:Die Ärzte und die Pharmaindustrie spielen ein schmutziges Spiel mit dem Leben unschuldiger Familien. Sie verschreiben wahllos starke Substanzen, ohne die Folgen wirklich abzuwägen, und lassen die Patienten im Stich, wenn alles schiefgeht. Die Betroffenen werden zu Marionetten ihrer eigenen Medikamente, während die Verantwortlichen sich hinter Fachbegriffen und Verfahrensregeln verstecken. Am Ende stehen verwüstete Leben und zerbrochene Familien, und niemand will die volle Verantwortung übernehmen.
Die Angehörigen müssen zusehen, wie ihre geliebten Menschen sich unter dem Einfluss dieser Substanzen verändern und langsam den Boden unter den Füßen verlieren. Hilferufe werden überhört oder mit noch mehr Pillen beantwortet, anstatt echte menschliche Zuwendung und gründliche Untersuchungen anzubieten. So entsteht ein Kreislauf aus Abhängigkeit und Verzweiflung, der dramatische Eskalationen begünstigt.
Die Gesellschaft schaut zu, während die Industrie weiter floriert und die Fachleute ihre Praktiken fortsetzen, ohne grundlegende Reformen. Vertrauen in die Medizin wird zerstört, und die Opfer bleiben mit den schrecklichen Konsequenzen allein zurück. Es ist ein Systemversagen, das dringend hinterfragt werden muss, bevor weitere Tragödien geschehen.«Wenn man jemandem mit einem Revolver in den Kopf schießt, gibt es einen ziemlich eindeutigen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, für dessen Aufklärung man keinen Sherlock Holmes braucht – und eine Fülle forensischer Beweise.
Wenn man sie hingegen vergiftet, es ‹Medizin› nennt und dann jeden, der Verdacht hegt, als ‹Verschwörungstheoretiker› diffamiert, kommt man plötzlich ungeschoren davon – und wird noch gut bezahlt.Selbst wenn ihre Schuld offensichtlich wäre, zahlt die Industrie genug Bestechungsgelder an Gesetzgeber und Strafverfolgungsbehörden, um sicherzustellen, dass keiner der Täter jemals zivilrechtlich, geschweige denn strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wird.
»Laut CNN droht Clancy im Falle einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe. Tragische Ironie der Geschichte: Sollten die Geschworenen zu dem Schluss kommen, dass sie strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, würde das Gericht voraussichtlich das Verfahren zur Einweisung in eine psychiatrische Klinik einleiten.
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