KLOPAPIER-SCHRECK! Hakle-Nachfolger Jung Papier erneut insolvent – Traditionsfabrik in Düsseldorf-Reisholz vor dem Aus, 155 Jobs in Gefahr!

Düsseldorf – Es ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die auf deutsche Qualität beim Alltagsprodukt Nummer eins setzen: Der Toilettenpapier-Hersteller Jung Papier GmbH aus dem Stadtteil Reisholz hat zum zweiten Mal Insolvenz angemeldet. Steigende Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal haben den Familienbetrieb erneut in die Krise gestürzt. Eine mehr als 120 Jahre alte Traditionsfabrik, an der bereits seit 1905 (bzw. 1906 laut Unternehmensangaben) Papier hergestellt wird, steht vor dem Aus. Das Amtsgericht Düsseldorf hat dem Antrag auf Eigenverwaltung bereits entsprochen. Vorläufiger Sachwalter ist Rechtsanwalt Dr. Christian Holzmann von Brinkmann & Partner, unterstützt wird das Unternehmen von Dr. Marc Oberhardt der Kanzlei RSM Ebner Stolz.⁠Bild

Die Produktion läuft nach Angaben der Geschäftsführung uneingeschränkt weiter. Geschäftsführer Volker Jung, der seit 2019 die Verantwortung trägt und 2023 nach der Hakle-Pleite die Jung Papier GmbH gründete, erklärte: „Der Geschäftsbetrieb unseres Familienunternehmens läuft uneingeschränkt weiter. Die Eigenverwaltung gibt uns die Möglichkeit, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und die Gespräche mit Investoren gezielt fortzuführen.“ Sachwalter Holzmann bestätigte gegenüber BILD das laufende Verfahren: „Es wird jetzt geprüft, wie es weitergehen kann.“ Die Suche nach einer Investorenlösung laufe mit Hochdruck. Ziel sei eine langfristige Perspektive für Standort, Belegschaft und Kunden. Bei einer Gläubiger-Ausschusssitzung sollen die Weichen für die Sanierung gestellt werden. Löhne und Gehälter der 155 Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld bis einschließlich Januar 2027 gesichert.⁠T-online

Das Unternehmen produziert seit 2023 neben Toilettenpapier auch Küchenrollen, Gesichtstücher sowie feuchte Hygienepapiere für den europäischen Markt. Dazu gehören Marken wie Clara, Lilla, Rosa und Camilla sowie verschiedene Handelsmarken für Supermärkte und Drogerien. Mit der eigenen Marke „The Papermakers“ baute Jung Papier eine Unternehmens- und Produktmarke auf, nachdem der Standort und Teile des Betriebs der insolventen Hakle GmbH übernommen worden waren. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete der Hersteller nach eigenen Angaben einen vorläufigen Jahresumsatz von rund 70 Millionen Euro – 30 Millionen Euro weniger als geplant. Zwar habe sich „The Papermakers“ im Handel etabliert, doch Marktanteile und Umsatz reichten nicht aus. Zunehmender Kostendruck und Überkapazitäten im Markt belasteten zusätzlich.⁠Merkur

Die Geschichte des Standorts reicht weit zurück. Die Marke Hakle wurde bis zur Pleite im September 2022 in Düsseldorf-Reisholz produziert. Die Markenrechte gingen im Rahmen der ersten Insolvenz an den italienischen Hersteller Sofidel. Bis 2024 stellte Jung Papier noch Hakle-Artikel her, danach übernahm der italienische Käufer die Marke komplett inklusive Fertigung. Hakle hatte 1928 das erste Rollen-Toilettenpapier nach Deutschland gebracht und 1977 mit „Hakle Feucht“ das feuchte Klopapier erfunden. Der Familienbetrieb kämpft nun erneut ums Überleben in einem hart umkämpften Markt, in dem Energiepreise und Rohstoffkosten vielen Mittelständlern zusetzen.

Was die Insolvenz für den Alltag bedeutet

Viele Haushalte greifen täglich zu Produkten aus Reisholz, ohne es zu wissen. Handelsmarken und Eigenmarken wie Clara landen in Einkaufswagen von Supermärkten und Drogerien quer durch Europa. Die erneute Pleite zeigt, wie fragil die Versorgung mit grundlegenden Hygieneartikeln geworden ist. Steigende Kosten fressen die Margen auf, während der Wettbewerb mit günstigeren Importen und Überkapazitäten zunimmt. Mitarbeiter und ihre Familien bangen um ihre Zukunft, auch wenn die Löhne vorerst gesichert sind. Die Eigenverwaltung soll Zeit gewinnen, um Investoren zu finden und den Standort zu retten. Ob das gelingt, entscheidet sich in den kommenden Wochen.

Hintergrund der Krise und Ausblick

Die Papierindustrie in Deutschland steht unter massivem Druck. Energieintensive Produktion trifft auf hohe Strom- und Gaspreise, teure Rohstoffe und steigende Personalkosten. Jung Papier ist kein Einzelfall, doch die Geschichte mit der früheren Marke Hakle macht den Fall besonders emotional. Nach der Rettung 2023 durch den Verkauf an Sofidel und dem Aufbau eigener Marken reichten die Erfolge nicht. Die Geschäftsführung betont die Fortführung des Betriebs und die intensive Investorensuche. Eine langfristige Lösung für die mehr als ein Jahrhundert alte Traditionsfabrik, die Belegschaft und die Kunden bleibt das erklärte Ziel. Die kommenden Gläubigerverhandlungen werden zeigen, ob ein Retter gefunden wird oder ob das Aus droht.

Quellen:

  1. BILD.de – Deutscher Klopapier-Hersteller meldet Insolvenz an (03.11.2026)
  2. Unternehmensangaben Jung Papier GmbH / Pressemitteilungen zur Eigenverwaltung
  3. Berichte der Lebensmittel Zeitung und t-online zur Insolvenz und Mitarbeiterzahl

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