Kniet nieder, Ihr undankbares Volk – ganze 17 Cent Tankrabatt wurden Euch schließlich großzügig geschenkt! Da bleibt eigentlich nur noch, vor lauter Dankbarkeit an der Zapfsäule Freudentränen zu vergießen.

Satire

Endlich ist es soweit, Ihr nörgelnden Pendler, Ihr murrenden Handwerker, Ihr ewig unzufriedenen Familienväter an der Zapfsäule! Bund und Länder haben sich in einer historischen Nachtaktion zusammengerauft und schenken Euch ab dem 1. Oktober bis zum 31. Dezember die Gnade der Energiesteuersenkung um 14 Cent je Liter Benzin und Diesel. Zusammen mit der Umsatzsteuer macht das die heilige Entlastung von 17 Cent pro Liter. Dafür reißen Bund und Länder gemeinsam ein Loch von rund 2,5 Milliarden Euro in die Kassen – die Länder steuern brav 1,25 Milliarden Euro bei. Und Ihr? Ihr meckerst schon wieder, statt auf die Knie zu fallen.

Dabei war das letzte Geschenk kaum verdaut. Von Anfang Mai bis Ende Juni hatte der Bund bereits einen Tankrabatt in derselben Größenordnung durchgezogen und dafür rund 1,6 Milliarden Euro hingeblättert. Damals kamen beim Superbenzin fast die vollen 17 Cent an, beim Diesel aber nur rund 73 Prozent, also etwa 12 Cent. Die Konzerne haben sich ein Stück vom Kuchen genommen, das ifo-Institut hat es nachgerechnet, die Monopolkommission hat genickt – und trotzdem gibt es jetzt die Neuauflage. Ab Oktober also wieder 17 Cent, drei Monate lang, und danach spätestens zum 1. Januar 2027 der ganz große Wurf: ein Spritpreisdeckel nach Luxemburger und belgischem Vorbild, natürlich nur als Kriseninstrument, nicht dauerhaft, und nur nach Gesprächen mit der Mineralölwirtschaft. Zusätzlich prüft Finanzminister Klingbeil weiter eine Übergewinnsteuer. Mehr Heldentum geht nicht.

Bauernpräsident Joachim Rukwied jubelt bereits, Spediteure atmen auf, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche spricht von konkreter Entlastung für Bürger und Unternehmen. 17 Cent weniger – das macht einen Unterschied, predigen sie. Für den typischen Dieselfahrer mit 17.000 Kilometern im Jahr und 7 Litern auf 100 Kilometern waren es beim letzten Rabatt rechnerisch rund 33 Euro. Eine ganze Tankfüllung fast umsonst, wenn man großzügig rechnet und die Konzerne diesmal wirklich alles weitergeben. Und Ihr wollt immer noch mehr?

Die Opposition tobt natürlich. Grünen-Fraktionsvize Andreas Audretsch schreit „Wahnsinn“, das Geld lande in den Taschen der Ölkonzerne statt im Geldbeutel der Menschen. Linken-Chefin Heidi Reichinnek nennt es eine Bankrotterklärung und Subvention für die Fossillobby. Verbraucherschützerin Ramona Pop wettert gegen die teure, kurzsichtige Gießkanne. ifo-Präsident Clemens Fuest hält den Tankrabatt für einen Fehler, weil er vor allem denen helfe, die sich Sprit sowieso leisten können. Marcel Fratzscher sieht Umverteilung von Arm zu Reich. Veronika Grimm findet es zynisch, auf Kosten der jungen Generation Verbrenner zu subventionieren. Sahra Wagenknecht spottet, 17 Cent seien ein Witz, angemessen wäre ein Euro Entlastung und ein Deckel bei 1,50 Euro. FDP-Mann Martin Hagen redet von schwarz-rotem Eiertanz und Planwirtschaft. Rainer Holznagel vom Bund der Steuerzahler spricht von politischem Strohfeuer.

Kniet nieder, Ihr Miesmacher an der Tanke. Während Ihr über den nächsten Preissprung jammert, hat die Koalition in schwieriger Haushaltslage eine gemeinsame Kraftanstrengung vollbracht. Sie senkt Steuern, obwohl das Geld fehlt. Sie entlastet Pendler, Handwerker und Familien, obwohl Ökonomen die Gießkanne verachten. Sie riskiert, dass Konzerne wieder ein Stück behalten, und macht es trotzdem. Das ist kein Strohfeuer, das ist Staatsraison mit Zapfpistole.

Bedankt Euch, statt nach dem Deckel zu schreien, der erst später kommt und sowieso nur vorübergehend sein darf. Bedankt Euch, statt Energiegeld und Stromsteuersenkung zu fordern, als wäre Berlin ein Wunschkonzert. Bedankt Euch, dass überhaupt jemand handelt, während Ihr in der Schlange steht und den Preis an der Anzeige anstarrt. Die Regierung hat geliefert. Ihr liefert nur Undank.

Und wenn der Rabatt im Dezember ausläuft und der Deckel noch nicht steht, dann kniet trotzdem weiter. Denn irgendwann kommt der nächste Schock, und dann werdet Ihr wieder rufen, die da oben sollen endlich etwas tun. Sie haben etwas getan. 17 Cent. Küsst die Zapfsäule und seid still.

Also nochmal für die Letzten in der hinteren Reihe: Energiesteuer minus 14 Cent, brutto 17 Cent, Start 1. Oktober, Ende 31. Dezember, Gesamtkosten 2,5 Milliarden Euro, Länderanteil 1,25 Milliarden, Vorgängeraktion 1,6 Milliarden für zwei Monate, Deckel-Ziel 1. Januar 2027, letzte Weitergabe Diesel nur 73 Prozent. Alles da. Alles dokumentiert. Alles von Euch ignoriert.

Kniet nieder. Bedankt Euch. Und tankt, solange das Geschenk noch gilt – bevor die Anzeige um 12 Uhr wieder nach oben rattert und Ihr behauptet, es sei nie etwas angekommen.

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