Es sind Szenen, die mit dem Geist des Fair Play absolut nichts mehr zu tun haben und den englischen Fußball in seinen Grundfesten erschüttern, denn was sich nach dem Schlusspfiff im Stadion von Bristol City abspielte, glich eher einer wilden Wirtshaus-Schlägerei als einem professionellen Zweitliga-Match. Die Emotionen kochten bereits während der Nachspielzeit über, nachdem den Gastgebern der vermeintliche Ausgleichstreffer zum eins zu eins in letzter Sekunde aberkannt wurde, was das Pulverfass endgültig zur Explosion brachte und die frustrierten Spieler sowie den aufgebrachten Anhang in einen Zustand purer Raserei versetzte. Doch statt den Frust in der Kabine zu bewältigen, entlud sich die aufgestaute Wut unmittelbar an der Seitenlinie, wo sich binnen weniger Augenblicke ein unübersichtlicher Knäuel aus Spielern, Betreuern und Trainern bildete, der jegliche sportliche Disziplin vermissen ließ und in eine hässliche Gewaltorgie ausartete, die nun ein massives Nachspiel für beide Traditionsvereine haben dürfte.
Auslöser dieses skandalösen Eklats war eine hitzige Konfrontation zwischen Millwall-Trainer Alex Neil und dem Bristol-Akteur Jason Knight, die sich zunächst ein lautstarkes Wortgefecht lieferten, bevor die Situation vollends außer Kontrolle geriet und die Sicherungen durchbrannten. Wie von Sinnen ließ sich Knight zu einer verhängnisvollen Tätlichkeit hinreißen und schubste den gegnerischen Coach mit voller Wucht, was wie ein Funke im trockenen Heu wirkte und sofort Dutzende weitere Beteiligte auf den Plan rief, die aufeinander losgingen, als gäbe es kein Morgen mehr. Fäuste flogen, Trikots wurden zerrissen und wüste Beschimpfungen hallten durch das weite Rund, während die überforderten Sicherheitskräfte und Schiedsrichter vergeblich versuchten, die streitenden Parteien zu trennen und dem tobenden Mob an der Außenlinie Herr zu werden, der sich in einen Rausch aus Aggression und Hass gesteigert hatte.
Mittendrin in diesem Hexenkessel befand sich auch der ehemalige Kölner Übungsleiter Gerry Struber, der nun an der Seitenlinie von Bristol steht und verzweifelt versuchte, als Stimme der Vernunft in diesem Chaos zu fungieren, doch selbst seine beschwichtigenden Gesten und körperlichen Einsatzversuche gingen in der allgemeinen Hysterie fast völlig unter. Der österreichische Coach musste hilflos mitansehen, wie sich sein Arbeitsplatz in einen Boxring verwandelte, wobei die Bilder dieser Massenkeilerei nun um die Welt gehen und erneut die dunkle Seite des britischen Fußballs offenbaren, in der Frustration über sportliche Entscheidungen viel zu schnell in rohe Gewalt umschlägt. Diese beschämenden Minuten nach dem Abpfiff werfen einen dunklen Schatten auf die gesamte Liga und dürften noch lange in den Disziplinarkommissionen diskutiert werden, denn solch ein undiszipliniertes Verhalten von Vorbildern auf dem Rasen ist ein fatales Signal an die Fans und beschädigt das Ansehen des Sports nachhaltig.
