Was im Maßregelvollzug passiert, wirkt wie ein bürokratisches Verwirrspiel ohne klare Regeln. Im Fall von Thomas Krebs wurde eine beantragte Lockerungsstufe zunächst schlicht ohne jede Begründung verweigert. Später hieß es plötzlich, man müsse erst ein externes Gutachten abwarten. Doch genau hier beginnt der Skandal: Ein solches Gutachten befasst sich mit einer möglichen Entlassung, nicht mit alltäglichen Lockerungen. Für diese ist allein die Klinik zuständig. Mit der Ausrede des Abwartens entzog sich die Einrichtung ihrer eigenen Verantwortung – fachlich falsch, rechtlich fragwürdig und für den Betroffenen folgenreich. Statt Klarheit herrschte Stillstand, statt Transparenz Schweigen.
Besonders brisant wird es beim Blick auf interne Protokolle. Dort wurde festgehalten, dass bis zum Eintreffen eines Gutachtens keine weiteren Lockerungen erfolgen sollen. Damit schob die Klinik die Entscheidung faktisch einem externen Sachverständigen zu. Ein klarer Tabubruch: Lockerungen sind Kernaufgabe der Einrichtung selbst. Wer diese Verantwortung auslagert, erklärt sich indirekt für handlungsunfähig. Beobachter sprechen von massiver Verfahrensunsicherheit innerhalb des BKH Lohr am Main. Noch schwerer wiegt die spätere Kehrtwende: In einer späteren Stellungnahme erklärte die Klinik plötzlich, sie sei selbstverständlich selbst zuständig. Die Frage drängt sich auf, warum dann zuvor anders gehandelt wurde – und warum die Entscheidung bis heute verschleppt wurde.
Hinzu kommt ein weiterer Zündstoff: die Medikation. Obwohl Klinikvertreter zuvor erklärten, Medikamente seien nicht mehr erforderlich und sogar eine Lockerung folgte, tauchte dieses Argument später wieder auf. Alte Begründungen wurden neu belebt, obwohl sie bereits widerlegt schienen. Besonders pikant: Bei der ursprünglichen Tat stand der Betroffene bereits unter entsprechender Medikation. Dennoch wird nun erneut darauf gedrängt. Kritiker sprechen von einem medizinisch fragwürdigen Rückschritt und einem administrativen Manöver, um Lockerungen weiter hinauszuzögern. Der Eindruck verfestigt sich: Hier geht es weniger um Therapie als um Absicherung – auf dem Rücken eines Mannes, der seit Jahren auf klare, faire Entscheidungen wartet.
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