Schwarzarbeit auf Baustellen: Zahl der Ermittlungsverfahren steigt an

Bielefeld. Die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit in der Baubranche ist im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich angestiegen. Bundesweit leitete die „Finanzkontrolle Schwarzarbeit“, eine Abteilung des Zolls, 9.251 Ermittlungsverfahren ein. Das berichtet die in Bielefeld erscheinende „Neue Westfälische“ (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Zahlen des Bundesfinanzministeriums. Der Schaden für den Staat belaufe sich auf 161 Millionen Euro.

Im Vorjahreszeitraum waren es 7.430 Verfahren, allerdings fanden wegen der Corona-Lage auch weniger Kontrollen statt. „Die aufgedeckten Verstöße sind nur die Spitze des Eisbergs. Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung gehören zum Alltag auf dem Bau“, beklagt Carsten Burckhardt vom Bundesvorstand der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Wegen des wachsenden Kostendrucks erwarte er, dass unseriöse Firmen verstärkt auf Lohndumping setzen sowie Steuern und Sozialabgaben hinterziehen.

Der Warendorfer Bundestagsabgeordnete Bernhard Daldrup, Sprecher der SPD-Fraktion im Bauausschuss, hatte die Zahlen beim Finanzministerium angefragt. Er sagte der „Neuen Westfälischen“: „Die vielen Unternehmen der Bauwirtschaft, die sich korrekt verhalten, werden im Wettbewerb benachteiligt und betrogen.“ Außerdem zeigten die Zahlen, dass mit Arbeitnehmern auf dem Bau hierzulande zu oft nicht fair umgegangen werde.

Die meisten Ermittlungsverfahren leitete das Hauptzollamt Bielefeld ein (593). Es ist neben Ostwestfalen-Lippe auch für Teile des Münsterlands, des Sauerlands und Hamm zuständig.

Neue Westfälische