SENDESCHLAF STATT DEMOKRATIE – WIE DER ÖFFENTLICH-RECHTLICHE RUNDFUNK DEN BUNDESTAG VERSTECKT

Während sich in Talkshows immer dieselben Stimmen gegenseitig bestätigen, fristen Debatten aus dem Parlament ein Schattendasein im Programm. Genau das prangert Bundestagspräsidentin Julia Klöckner an und geht frontal auf Konfrontation mit ARD und ZDF. Statt politischer Live-Berichterstattung dominierten Wiederholungen und seichte Unterhaltung, während im Deutscher Bundestag Entscheidungen von erheblicher Tragweite fallen. Klöckners Botschaft ist unmissverständlich: Demokratie darf nicht zur Randnotiz werden, nur weil alte Krimis bequemer zu senden sind als kontroverse Parlamentsdebatten.

Doch die Kritik geht tiefer als bloße Sendeplätze. Klöckner verlangt eine ehrliche Selbstprüfung der Sender und stellt Fragen, die lange verdrängt wurden. Effizienz, Neutralität und Ausgewogenheit stünden auf dem Prüfstand, sagt sie, und warnt vor einem gefährlichen Auseinanderdriften von veröffentlichter und öffentlicher Meinung. Wenn Redaktionen den Kontakt zur Lebenswirklichkeit verlieren, entstehe ein Vakuum, das Vertrauen frisst. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, so ihr Vorwurf, verteidige sich zu oft selbst, statt sich zu hinterfragen. Dabei gebe es in einer Demokratie keine Institution, die über Kritik erhaben sei.

Wie groß das Interesse an Politik tatsächlich ist, zeigt sich immer dann, wenn die Sender sie lassen. Politische Schlüsselereignisse, etwa rund um Friedrich Merz, erzielten enorme Aufmerksamkeit, ebenso hitzige Wahlduelle, die Menschen vor die Bildschirme zogen. Auch der Ereigniskanal phoenix bewies, dass politische Live-Berichterstattung fesseln kann, wenn man sie ernst nimmt. Die Lehre daraus ist bitter für die Programmmacher: Das Publikum ist da. Was fehlt, ist der Wille, Politik nicht länger zu verstecken, sondern ihr den Platz zu geben, den sie verdient.

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