Ein unscheinbares Mehrfamilienhaus in einer ganz normalen Wohnstraße, doch der Blick auf die Briefkästen lässt Anwohner fassungslos zurück: Ein schäbiges Treppenhaus, abgeplatzter Putz, aber an den wenigen Klingeln kleben lange Listen mit Namen, übereinander gestapelt, lieblos mit Klebestreifen befestigt. Wer hier wohnt, wer hier wirklich schläft, wer nur auf dem Papier existiert – niemand weiß es genau. Nachbarn berichten von ständig wechselnden Gesichtern im Hausflur, von Menschen, die kurz auftauchen, wieder verschwinden und nie ein Wort wechseln. Der Paketbote schüttelt nur den Kopf, der Postzusteller gibt entnervt auf, Briefe landen wahllos in den Fächern oder werden gleich wieder mitgenommen. Was hier passiert, ist für viele im Viertel ein regelrechter Schlag ins Gesicht.
Beamte im Rathaus sprechen hinter vorgehaltener Hand von einem einzigen Meldechaos, doch offiziell will niemand verantwortlich sein. Es geht um Scheinadressen, um Personen, die dort gemeldet sind, aber angeblich längst ganz woanders leben, um undurchsichtige Untermietverträge und Briefkästen, die mehr als nur normale Post schlucken. Anwohner erzählen von Behördenpost, die wochenlang überquillt, von Formularen, Bescheiden und Mahnungen, die nie abgeholt werden. Während ehrliche Mieter jeden Zettel sortieren und sich an jede Vorschrift halten, scheint dieses Haus zu einem Symbol dafür geworden zu sein, wie leicht sich das System austricksen lässt. Die Stadt weiß seit langem von den Zuständen, Kontrollen bleiben jedoch selten, wirkliche Konsequenzen offenbar aus.
Für viele Nachbarn ist das Gebäude längst ein Mahnmal für Versagen, Wegschauen und bürokratische Blindheit. Wie kann es sein, dass an einer einzigen Adresse dutzende Personen registriert sind, ohne dass gründlich geprüft wird, wer tatsächlich dort lebt und wer nicht. Was, wenn hier Identitäten verschleiert werden, wenn sich hinter den vielen Namen Geschichten von Betrug, Abzocke und organisierter Verantwortungslosigkeit verbergen. Während Politik und Verwaltung große Reden über Ordnung, Kontrolle und Sicherheit halten, erleben die Menschen vor Ort Tag für Tag das genaue Gegenteil: Ein Haus, ein paar Briefkästen, eine Flut an Namen – und niemand, der wirklich hinschaut. Die Frage, die jetzt alle stellen: Wie viele solcher Häuser gibt es noch, von denen keiner etwas wissen will.
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