Hannover bebt. Was sich hinter nüchternen Paragrafen verbirgt, klingt nach blankem Machtmissbrauch: Landesbeamte sollen bei bloßem Verdacht zum Tattoo-Check gezwungen werden. Nackt vor dem Amtsarzt, der Blick prüfend auf Haut und Körper gerichtet – alles im Namen der angeblichen Verfassungstreue. Die Regierungsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen treiben einen Kurs voran, der vielen Beamten den Atem stocken lässt. Kritiker sprechen von einem Klima des Misstrauens, von staatlicher Neugier, die keine Grenze mehr kennt.
Die Befürworter reden von Sicherheit und Demokratie, doch der Preis ist hoch. Wer ins Visier gerät, soll sich entblößen, damit der Staat nach Symbolen sucht, die ihm nicht gefallen. Der Eingriff in die Intimsphäre wird als notwendiges Übel verkauft, der ärztliche Blick als Werkzeug der Ordnung. Doch was bleibt vom Rechtsstaat, wenn Körper zu Beweisstücken werden? Aus Verdacht wird Demütigung, aus Fürsorge Kontrolle – ein gefährlicher Dammbruch, warnen Juristen und Beamtenvertreter hinter vorgehaltener Hand.
Scharfer Widerstand kommt aus der Opposition. Die CDU spricht von Entwürdigung und einem Angriff auf die Persönlichkeitsrechte der Staatsdiener. Ein moderner Rechtsstaat dürfe seine Beamten nicht behandeln wie Verdächtige auf der Anklagebank. Das Innenministerium hält dagegen, beschwichtigt mit engen Voraussetzungen und Verhältnismäßigkeit. Doch das Misstrauen ist gesät. Viele fragen sich: Wer schützt künftig die Beamten vor einem Staat, der immer tiefer unter die Haut schaut?
