Totalversagen von Behörden und Politik gegen kriminelle Schlachter und Bauern

http://soko-tierschutz.org
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SOKO Tierschutz e. V. hat Strafanzeige gegen den Schlachthof Maretzki in Düdenbüttel bei Stade, 20 Landwirte aus der Region und das Veterinäramt Stade erstattet. Besonders das Versagen der Amtsleitung des Veterinäramtes wiegt schwer. Die amtlichen Tierärzte hatten systematisch weggeschaut und so nicht nur entsetzliche Tierquälerei, sondern auch eine massive Gefährdung der Verbraucher verursacht. Die Amtschefin Frau Witthöft verhinderte nicht einmal während der von SOKO Tierschutz ausgelösten Kontrolle des Betriebes, die Auslieferung von vielen Tonnen Fleisch in die Hamburger Region und in die Niederlande. Der Großabnehmer in Enschede bezog regelmäßig Fleisch von Maretzki und verteilte es in der gesamten EU. Es wurde unter anderem zu Döner, Spareribs, Burgern und Köttbullar verarbeitet.

Der Schlachthof hatte systematisch kranke, schwer verletzte Tiere und unter rechtswidrigen Umständen bereits tot angelieferte Tiere geschlachtet. Völlig zerstörte Milchkühe wurden bei vollem Bewusstsein von Schlachthof-Mitarbeitern mit Seilwinden in die Tiertransporter geschleift.

Versteckte Kameras im Schlachthof zeigen einen amtlichen Tierarzt, der beim Anblick von illegalen Transporten schnell umkehrt und verschwindet. Besonders pikant: Die versteckten Kameras an den Tiertransportern der Firma Maretzki zeigen zum ersten mal, wie Milchbauern ihre alten, kranken Milchkühe grausam und illegal entsorgen. Eine besonders schlimme Szene zeigt ein Hanfseil, das während dem minutenlangen Verladen mit der Seilwinde in das Auge des panischen Rindes schneidet. Das Bildmaterial stammt aus dem Zeitraum März und April 2019.

Das ist der zehnte Schlachthof-Skandal innerhalb von zwei Jahren im Bundesgebiet. Vier Fälle davon betrafen Niedersachsen. Damit verbunden ist ein kriminelles Netzwerk von hunderten Bauern, Viehhändlern und Tierärzten, die den illegalen und hoch profitablen Handel mit sogenannten Downer-Kühen betreiben und unterstützen. Diese Täter blieben nach Bad Iburg weitgehend unbehelligt und sind weiterhin in das System eingebunden. „Aus Quellen wissen wir, dass die Bauern und Viehhändler über den Staat lachen und sagen, sie müssten einfach nur ein paar Kilometer weiter fahren, um das lukrative Geschäft mit den kranken Kühen fortzusetzen“, berichtet SOKO-Ermittler Mülln.

Der Fall erinnert an den Schlachthof Bad Iburg, der bis zur Schließung durch Recherchen von SOKO Tierschutz im Oktober 2018 das gleiche Geschäftsmodell verfolgte. „Nun zeigt sich das Totalversagen von Ministerin Otte-Kinast. Sie war besonders dadurch aufgefallen, investigativen Tierschutzorganisationen die Gemeinnützigkeit entziehen zu wollen. Es zeigt sich nun erneut mit EU-weiten Konsequenzen für die Lebensmittelsicherheit und weiteren Tierquälereien, dass die Ministerin trotz drei Skandalen in Niedersachsen innerhalb der letzten 7 Monate unfähig ist, die kriminellen Netzwerke in der Milchindustrie zu zerschlagen. Da liegt natürlich auch die Frage nahe, ob der Ministerin als Massentierhalterin von Milchkühen nicht der nötige Abstand fehlt, um gegen ihre eigene Branche vorzugehen. Darum sollte sie unserer Meinung durch eine Person ersetzt werden, die den nötigen Willen und die Unabhängigkeit hat, um diesen Sumpf auszutrocknen“, so Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz.