Werne: ABC-Einsatz nach explodiertem Mess-Ofen!

Der Spezialtrupp geht in das Gebäude vor, um Proben zu sammeln.
Der Spezialtrupp geht in das Gebäude vor, um Proben zu sammeln.

 

 

 

Werne – Wie gestern um 18:18 Uhr bereits berichtet (http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/116730/3650577) wurde die Freiwillige Feuerwehr Werne zu einem ABC-Einsatz in der Lohstraße alarmiert, nachdem in einem Spezialunternehmen ein Ofen für die Kalibrierung von Messfühlern explodiert war. Dabei waren vermeintlich 200 bis 250 ml hochgiftigen Quecksilbers aus einem Kalibrier-Thermometer frei geworden.

Nachdem der erste Trupp unter Chemikalienschutzanzug (CSA) auch durch spätere Analyse von Bildmaterial aus dem Laborbereich zumindest keine optischen Erkenntnisse über eine Kontamination gewinnen konnte, wurden seitens der Einsatzleitung Spezialkräfte nachgefordert. Zunächst unterstütze der Mess-Zug der Feuerwehr Lünen die Einsatzleitung, Spezialgerät wird allerdings von der sogenannten Analytischen Task Force (ATF) vorgehalten. Die ATF ist eine vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) eingerichtete Spezialeinheit zum Nachweis von atomaren, chemischen und biologischen Gefahrstoffen. In Nordrhein-Westfalen sind drei dieser ATF-Einheiten stationiert. Die für die aktuelle Fragestellung geeigneten Einheiten wurden von den Feuerwehren Köln und Dortmund zur Einsatzstelle entsandt.

Beide ATF unterstützen die Werner Einsatzleitung, indem speziell ausgebildete Kräfte unter Vollschutz (CSA) erneut in das Gebäude vorgingen und systematisch Proben sammelten. Mit Hilfe einer mobilen Röntgenfluoreszenz-Anlage konnte das Quecksilber im betroffenen Laborbereich sicher nachgewiesen werden.

Der Vorgang wurde dahingehend rekonstruiert, dass die giftige Substanz durch die Explosion nahezu vollständig verdampfte und sich auf den Oberflächen der Umgebung niedergeschlagen hat. Daher konnten auch die „klassischen“ Quecksilber-Kügelchen vom ersten CSA-Trupp nicht aufgefunden werden.

Ein Vorteil des ATF-Einsatzes für das Unternehmen in der Lohstraße war die Anfertigung einer Art Gebäude-Karte, die klar die kontaminierten Laborbereiche von den nicht-kontaminierten Bereichen abgrenzte. Daher war es möglich, den Bürotrakt, die gesamte Fertigung sowie Teile der Labors wieder freizugeben, so dass die Arbeit im Unternehmen mit nur geringen Einschränkungen im betroffenen Labor weitergehen kann.

Während des Einsatzes wurde ein weiterer Mitarbeiter an der Einsatzstelle vorstellig, der bereits nach Hause gegangen war. Durch die Medienberichte erinnerte er sich daran, dass er offensichtlich kurz nach der Explosion den Laborbereich betreten hatte. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Leitenden Notarzt wurde auch diese Person als verletzt eingestuft und in das Lüner Krankenhaus eingewiesen. Insgesamt wurden somit fünf Personen durch den Vorfall verletzt.

Nach Abschluss der Messungen konnte die Einsatzstelle gegen 21:30 Uhr an die Kriminalpolizei übergeben werden. Nach den Aufräumarbeiten sowie der Ausrüstung der Fahrzeuge in der Wache wurde der Einsatz gegen 23:30 Uhr beendet. Am heutigen Tag wird sich das betroffene Unternehmen mit einer Spezialfirma für die Dekontamination abstimmen, die die Säuberung der eingesetzten Gerätschaften und der betroffenen Laborbereiche übernehmen wird.

Im Einsatz waren ca. 40 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Werne mit den Löschzügen Stockum und Mitte, 11 Einsatzkräfte des Mess-Zugs der Feuerwehr Lünen, 14 ATF-Einsatzkräfte der Feuerwehren Köln und Dortmund, sechs RTW-Besatzungen, der Notarzt aus Werne, ein leitender Notarzt sowie ein organisatorischer Leiter Rettungsdienst – insgesamt über 80 Einsatzkräfte.