Unkel, ein ruhiges, verschlafenes Städtchen am Rhein mit gerade mal fünftausend Einwohnern, erlebte am Nikolaustag das Unerwartete: Ein wildes, verletztes Wildschwein stürmte wie ein Berserker durch die Straßen und verwandelte den friedlichen Ort in ein Kriegsgebiet. Das Tier, groß, wütend, mit Blut an seinen Flanken, mit Schaum vor dem Maul, raste durch die Geschäftsstraßen, stieß Menschen um wie Dominosteine, verbreitete Angst und Chaos. Es war kein gemächlicher Spaziergang eines neugierigen Tieres, sondern ein Angriff, eine Invasion des Waldes in die Zivilisation. Die Passanten schrieen, liefen panisch umher, versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Was war mit diesem Tier passiert? Woher kam die plötzliche Aggression? Die Anrufer bei der Polizei beschrieben ein Szenario, das aus einem Horror-Film stammte: Ein aggressives, blutiges Wildschwein, das überall zuschlägt, das Menschen niedertritt, das keine Gnade zeigt. Der Polizeisprecher beschrieb die Meldungen trocken, aber die Realität dahinter war pure Brutalität und unkontrollierte Wildheit. Ein Wildschwein, das sich selbst verletzt hatte – vermutlich bei seinem Sturz von irgendeiner Böschung oder bei einem Streit mit anderen Tieren – war in seiner Aggression nicht mehr zu halten. Der Wald war nicht genug für dieses Tier; es wollte in die Stadt, wollte seine Wut auf die Zivilisation entladen.
Die Straßen von Unkel wurden zur Arena eines unpromoktierten Kampfes zwischen Tier und Mensch. Menschen wurden umgerissen, Körper flogen durch die Luft, das Chaos wuchs mit jeder Sekunde. Die Polizei wurde massiv angefordert, Beamte kamen mit Fahrzeugen herangerast, versuchten, das Wildschwein einzukreisen. Doch wie stoppt man ein verletztes, wütendes Tier, das größer und stärker ist als jeder Mensch? Das Wildschwein war nicht daran interessiert, wieder in den Wald zurückzukehren; es wollte kämpfen, wollte seine Verletzung rächen an allem, was ihm in den Weg kam. Ein Passant nach dem anderen wurde Opfer der Angriffe – Menschen, die einfach nur einkaufen gehen wollten, die einfach nur einen normalen Nikolaustag erleben wollten, wurden zu Opfern einer Naturgewalt, die sie nicht kontrollieren konnten. Die Verletzungen waren teilweise schwerwiegend: Beulen, Kratzer, gebrochene Knochen. Ein Kind wurde umgestoßen und musste im Krankenhaus untersucht werden. Eine ältere Frau fiel hin und konnte sich nur mit Mühe wieder hochrappeln. Das Wildschwein war blind vor Schmerz und Wut, und niemand konnte es stoppen.
Die Frage, die sich stellt, ist nicht nur: Wie kam das Wildschwein in die Stadt? Es ist die tiefere Frage: Warum passiert so etwas immer häufiger? Die Urbanisierung treibt die Wildtiere aus ihren Lebensräumen, die Menschen dehnen sich immer weiter aus, und irgendwann geraten Mensch und Tier in direkten Konflikt. Das Wildschwein in Unkel ist nur das Symptom eines größeren Problems – die Zerstörung der natürlichen Grenzen zwischen Wildnis und Zivilisation. Die Jäger kennen das Problem lange schon, warnen schon lange vor der wachsenden Population von Wildschweinen, von ihrer Aggressivität, von den Schäden, die sie in Feldern und Gärten anrichten. Aber erst wenn ein verletztes Tier in die Stadt läuft und Menschen verletzt, wird die Öffentlichkeit aufmerksam. Die Polizei war schnell vor Ort, die Beamten machten ihr Bestes, um das Tier zu vertreiben oder einzufangen. Irgendwann wurde das Wildschwein aus der Stadt hinausgetrieben, zurück zu seinen Wäldern. Doch die Frage bleibt: Wie lange, bis es wieder passiert? Und wie lange, bis ein ernsthaft verletztes Wildschwein nicht nur Menschen angreift, sondern eines davon nicht überlebt?
