Berlin – Blut auf den Straßen, Rufe nach Freiheit, ein Regime unter Druck – und der deutsche Staatsfunk schaut weg! Während im Iran Menschen ihr Leben riskieren, explodiert hierzulande die Wut auf das ZDF. Politiker, Exil-Iraner und Medienbeobachter werfen dem Sender vor, viel zu spät reagiert zu haben. Statt sofort klar Stellung zu beziehen, sei gezögert, relativiert und kleingeredet worden. Für viele Zuschauer wirkt es so, als habe man den Ernst der Lage nicht erkennen wollen – oder nicht erkennen dürfen.
Besonders scharf fällt die Kritik aus der jüdischen Presse aus. Dort ist von einer blamablen Vorstellung der öffentlich-rechtlichen Sender die Rede. Die Redaktionen, so der Vorwurf, seien ideologisch gefangen und ratlos, wenn Proteste nicht ins gewohnte Weltbild passen. Der Wunsch vieler Demonstranten nach einem radikalen politischen Bruch passe offenbar nicht ins Konzept. Der Vergleich mit historischen Umbrüchen drängt sich auf – doch während damals die Kameras liefen, herrsche heute mediale Funkstille. Für Kritiker ist das ein journalistisches Armutszeugnis.
Der Druck richtet sich zunehmend direkt gegen das ZDF. Ein aus dem Iran geflohener CDU-Politiker spricht von doppelten Standards und erhebt schwere Vorwürfe. Während andere Konflikte tagelang mit dramatischen Bildern und moralischer Empörung begleitet würden, bleibe der Aufstand gegen das Mullah-Regime Randnotiz. Demonstrationen von Exil-Iranern, Hilferufe aus Teheran, brutale Gewalt – all das finde kaum Widerhall. Sein Fazit ist vernichtend: Das ZDF messe nicht mit einem Maß, sondern verliere seine Glaubwürdigkeit gleich mit.
