ARD-Experte Bastian Schweinsteiger spricht aus, was nach diesem Auftritt viele Fans denken: „Wir sind im Mittelmaß angekommen.“ Ein Satz wie ein Donnerschlag! Doch so einfach darf es sich auch Jürgen Klopp nicht machen. Denn für eine zusammengewürfelte Mannschaft, die offenbar nicht aus den derzeit stärksten verfügbaren Spielern besteht, mag diese schonungslose Analyse zutreffen. Für eine echte deutsche Top-Elf darf Mittelmaß dagegen niemals der Maßstab sein. Deutschland verfügt weiterhin über international erfahrene Profis, Spieler aus europäischen Spitzenligen und genügend individuelle Klasse, um eine Mannschaft auf den Platz zu schicken, die deutlich mehr ausstrahlen müsste. Genau deshalb richtet sich der Blick jetzt zwangsläufig auf Klopp. Wenn ein Trainer aus einem riesigen Kreis von insgesamt vierundvierzig Spielern auswählen kann, warum entsteht dann eine Formation, die anschließend den Eindruck vermittelt, sie könne international nur noch irgendwie mithalten? Warum standen nicht kompromisslos diejenigen auf dem Platz, die aktuell die beste Form, die größte Qualität und die stärkste Leistung mitbringen? Schweinsteigers Mittelmaß-Satz ist deshalb nicht nur Kritik an den Spielern, sondern indirekt auch eine gewaltige Frage an den Mann, der diese Mannschaft zusammengestellt hat.
Denn genau hier beginnt das eigentliche Rätsel: Wenn aus vierundvierzig Kandidaten ausgewählt werden kann, müsste am Ende eigentlich eine Elf entstehen, bei der jeder Gegner weiß, dass Deutschland wieder mit voller Wucht kommt. Stattdessen wirkt die Mannschaft phasenweise wie ein Puzzle, dessen Teile nicht richtig zusammenpassen. Einzelne Spieler besitzen zweifellos Qualität, doch eine Nationalmannschaft lebt nicht davon, möglichst viele Namen irgendwie in ein taktisches System zu pressen. Entscheidend ist, ob die besten und derzeit formstärksten Akteure gemeinsam auf dem Platz stehen, ob Rollen klar verteilt sind und ob jeder Spieler genau weiß, was von ihm erwartet wird. Genau daran entzündet sich jetzt die Kritik. Nicht Schweinsteigers Feststellung vom Mittelmaß ist das größte Problem, sondern die Frage, wie dieses Mittelmaß überhaupt entstehen konnte. Hat Klopp wirklich nach aktueller Leistung ausgewählt? Haben Reputation, frühere Verdienste oder taktische Experimente eine zu große Rolle gespielt? Und warum müssen sich Millionen Fans nach einem solchen Spiel fragen, ob aus dem vorhandenen Spielermaterial nicht eine wesentlich stärkere Mannschaft hätte zusammengestellt werden können? Wer vierundvierzig Spieler zur Auswahl hat, kann sich kaum darauf zurückziehen, es gebe keine Alternativen. Dann zählt jede Personalentscheidung doppelt.
Für Klopp wird es deshalb jetzt unbequem. Sein Name steht für höchste Ansprüche, für Energie, Leidenschaft und Mannschaften, die Gegner unter Druck setzen. Genau daran wird er nun gemessen. Niemand verlangt, dass eine neu zusammengestellte Nationalelf sofort jeden Gegner an die Wand spielt. Aber eine deutsche Auswahl muss erkennen lassen, dass sie sich wieder nach oben orientiert und nicht schon beim Wort Mittelmaß mit den Schultern zuckt. Schweinsteiger hat mit seiner Aussage eine Debatte ausgelöst, die weit über ein einzelnes Spiel hinausgeht. Wenn tatsächlich Mittelmaß auf dem Rasen steht, muss gefragt werden, ob vorher auch mittelmäßig ausgewählt wurde. Wenn hingegen genügend Spitzenklasse vorhanden ist, muss Klopp zeigen, warum sie bislang nicht gemeinsam zur Geltung kommt. Die Fans wollen keine Experimente ohne erkennbaren Ertrag, sondern eine Mannschaft, bei der die Besten spielen und jeder für Deutschland alles aus sich herausholt. Genau deshalb lautet die entscheidende Frage jetzt lauter denn je: Herr Klopp, wenn Sie aus vierundvierzig Spielern auswählen können – warum steht dann nicht die stärkste deutsche Elf auf dem Platz?
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