288-MILLIONEN-IRRSINN IN PIRNA! NAGELNEUE BRÜCKE SCHON VOR DER ERÖFFNUNG EIN SANIERUNGSFALL – HOLZRESTE IM BETON, FREIGABE ERST 2027?!

Symbolfoto (KI-generiert): Hohe Betonbalkenbrücke über ein bewaldetes Tal, Baugerüste an den Pfeilerköpfen, Absperrung auf der Fahrbahn, bewölkter Himmel – Text: NEU UND SCHON KAPUTT?
Symbolfoto – Bild KI-generiert

Pirna – Neu, sündhaft teuer – und schon vor der Eröffnung ein Sanierungsfall! Die Ortsumgehung Pirna in Sachsen ist gerade einmal 3,8 Kilometer lang, kostet inzwischen aber 288,4 Millionen Euro – und ist noch immer nicht komplett für den Verkehr freigegeben. Jetzt der nächste Hammer: An der 916 Meter langen Gottleubatalbrücke wurden schwere Fehler beim Betonieren entdeckt. Statt Eröffnung heißt es: Presslufthammer, Hochdruckwasserstrahl, neuer Beton!

Rechnet man nach, wird einem schwindelig: Laut MDR gilt die Gottleubatalbrücke zusammen mit dem Kohlbergtunnel als Deutschlands teuerste Ortsumgehung – mit Kosten von 75,9 Millionen Euro pro Kilometer! Dabei sah die Welt im Jahr 2017 noch ganz anders aus: Damals lag die Kostenschätzung bei 96,6 Millionen Euro. Die Kostenberechnung aus dem Jahr 2025 weist laut Bundesregierung 288,4 Millionen Euro aus. Die FAZ bringt es auf den Punkt: Die Kosten haben sich verdreifacht.

Wie konnte es so weit kommen? Als Gründe für die Kostenexplosion nennt die Bundesregierung unter anderem Schwierigkeiten bei der Bauausführung, Änderungen und Erweiterungen der Leistungen sowie allgemeine Baupreissteigerungen. Im Vergleich zum Baubeginn 2017 seien die Bauleistungen – unter anderem wegen der hohen Energiepreise – um 60 Prozent gestiegen, berichtet der MDR. Bekannt wurden die neuen Mängel durch die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von AfD-Abgeordneten im Bundestag. Zuerst hatte BILD darüber berichtet.

Was genau ist an der Brücke kaputt? Betroffen sind die sogenannten Vouten – die verbreiterten, bogenförmigen Bauteile am Übergang zwischen den Brückenpfeilern und dem Fahrbahnträger. Sie sind für die Tragfähigkeit der Konstruktion besonders wichtig. Laut MDR und dpa ist an 4 von 5 Vouten etwas schiefgelaufen: Beim Einschalen soll die Baufirma nicht sauber genug gearbeitet haben, kleine Holzpartikel wurden in den Hochleistungsbeton eingeschwemmt. Reste der Schalung – also der Gussform – blieben im Beton zurück.

Holger Behrmann, Bereichsleiter Sachsen der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges), die das Projekt im Auftrag des Bundes betreut, findet zu den Schäden an der 916-Meter-Brücke deutliche Worte: „Das hat zu Hohlstellen innerhalb des Betons geführt, aber eben auch zum Verbleib dieser Schalungsreste dort. Die müssen raus.“ Und weiter, laut MDR: „Das sind Fehler, die bei einem sachkundigen Bauunternehmen hätten vermieden werden müssen.“

Die gute Nachricht: Auf die Standfestigkeit der Brücke hatten die Schäden laut Deges keine Auswirkungen. Allerdings hätten sie die Dauerhaftigkeit des Bauwerks beeinflusst. Entdeckt wurden die Mängel bei einer standardmäßigen Prüfung vor der geplanten Inbetriebnahme – laut MDR bei einer Prüfung im März 2026, die Deges teilte auf Nachfrage mit, die Mängel seien bereits im Frühjahr aufgefallen.

So soll repariert werden: An den 4 betroffenen Vouten wird der Beton zunächst mit einem Hochdruckwasserstrahl abgetragen, anschließend werden die Hohlräume mit Beton verschlossen beziehungsweise nachverdichtet. Das Verfahren wurde nach Angaben der Deges bereits getestet. Doch bevor es losgehen kann, müssen noch das Bundesverkehrsministerium und der Freistaat Sachsen dem Sanierungskonzept zustimmen. Behrmann gibt sich zuversichtlich: „Nach Abschluss der Sanierung gehen wir davon aus, dass das Bauwerk hundertprozentig in dem Zustand ist, wie es ursprünglich geplant war.“

Und wer zahlt die Reparatur? Die Kosten für die Beseitigung der Mängel soll die ausführende Baufirma übernehmen, laut Bundesregierung tragen sie die am Bau beteiligten Unternehmen. Nach Angaben der Deges liegt der Fehler beim Unternehmen – und die Firma teile diese Auffassung und sehe sich ebenfalls in der Verantwortung. Der aktuelle Kostenrahmen von 288,4 Millionen Euro soll deshalb bestehen bleiben.

Die unendliche Verschiebungs-Geschichte: Eigentlich sollte die Ortsumgehung schon 2022 fertig sein. Wegen der geologischen Verhältnisse am Kohlbergtunnel – das Gestein war weicher als erwartet – rutschte der Termin auf 2023. Dann machten Anpassungen an der Ausführungsplanung der Gottleubatalbrücke eine weitere Verschiebung auf 2026 nötig. Und jetzt, wegen der Betonfehler: voraussichtlich 2027 – laut MDR zehn Jahre nach Baubeginn! Eine Sanierung noch in diesem Herbst und Winter sei witterungsbedingt schwierig, so ein Deges-Sprecher. Laut dpa könnten die Arbeiten zwar noch in diesem Jahr beginnen, müssten im Winter aber pausieren. Einen konkreten Eröffnungstermin will die Deges erst nach dem Winter nennen.

Was ist schon fertig? Die Strecke soll den Verkehr künftig südlich an Pirna vorbeiführen, rund 12.500 Fahrzeuge täglich sollen sie nutzen. Der erste Abschnitt – etwa ein Drittel der Gesamtstrecke, vom Autobahnzubringer zur A17 bis zur S173 – ist bereits seit 2022 in Betrieb. Zum noch gesperrten zweiten Abschnitt gehören der 315 Meter lange Kohlbergtunnel und die 916 Meter lange Gottleubatalbrücke, die das Gottleubatal in bis zu 70 Metern Höhe überspannt – zwischen dem westlich gelegenen Kohlberg und dem bewaldeten östlichen Talhang.

Bitter: Eigentlich ist fast alles bereit. Der Kohlbergtunnel ist weitgehend fertig, dort stehen laut Behrmann nur noch Restarbeiten an, die technische Ausstattung samt Lichtsicherheitseinrichtungen ist weit fortgeschritten. Auch die Anschlussstrecke zwischen Brücke und B172 steht kurz vor der Fertigstellung. Behrmann: „Im Grunde wären wir fertig, um die Brücke und die ganze Strecke in Betrieb zu nehmen.“ Wären – wenn da nicht die Holzreste im Beton wären.

MEINUNG: Dieser Fall steht sinnbildlich für ein Land, das große Bauprojekte offenbar kaum noch im Griff hat. Erst explodieren die Kosten, dann wackeln die Termine, und am Ende muss ein nagelneues Bauwerk repariert werden, bevor auch nur ein Auto darüber gerollt ist. Wer soll da noch Vertrauen in die Planungskompetenz von Bund und Ländern haben?

MEINUNG: Dass die Baufirma für die Reparatur geradestehen soll, ist richtig und selbstverständlich. Doch die eigentlichen Leidtragenden sind die Menschen in Pirna, die seit Ewigkeiten auf Entlastung von Lärm und Verkehr warten und nun erneut vertröstet werden. Ihre Zeit, ihre Geduld und ihre Lebensqualität ersetzt ihnen niemand.

MEINUNG: Wir fordern lückenlose Transparenz: Wie konnten solche Fehler bei einem derart prestigeträchtigen Bauwerk passieren, wer hat die Arbeiten kontrolliert, und warum erfährt die Öffentlichkeit davon erst über eine parlamentarische Anfrage? Steuerzahler haben ein Recht darauf zu wissen, was mit ihrem Geld geschieht – und zwar nicht erst, wenn es zu spät ist.

Jetzt muss die Deges liefern – und die Pirnaer warten weiter – voraussichtlich bis 2027 – auf ihre Umgehung!

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Quellen:
https://www.bild.de/news/pirna-288-millionen-euro-bruecke-muss-vor-eroeffnung-saniert-werden-6ae1e0bc21fd087fed7ed2e6
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/freital-pirna/gottleubatalbruecke-fehler-betonieren-sanierung,bruecke-bauschaeden-100.html
https://www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/transport-logistik/ortsumgehung-pirna-baumaengel-verzoegern-eroeffnung-bis-2027-3928710
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/auto-verkehr/millionenschwere-ortsumgehung-in-pirna-schon-vor-freigabe-beschaedigt-201630436.html


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