Der UN-Klimagipfel in Brasilien sollte ein Wendepunkt sein, ein globales Signal für den Ausstieg aus der fossilen Ära. Stattdessen endete er in einem beispiellosen Offenbarungseid der internationalen Klimapolitik. Trotz zäher Verhandlungen bis in die Verlängerung konnten sich die teilnehmenden Staaten nicht auf einen verpflichtenden Fahrplan zur Abkehr von Öl, Kohle und Gas einigen. Das Abschlussdokument blieb schwach, verwässert, enttäuschend – eine traurige Momentaufnahme globaler Mutlosigkeit, in einer Zeit, in der klare Taten überlebensnotwendig wären. Während der Amazonasregenwald brennt und Küstenstädte unter Wasser stehen, diskutieren Delegierte lieber über Wortwahl als über Lösungen.
Der Gipfelort Belém – Sinnbild für eine Menschheit zwischen Naturzerstörung und Ignoranz – wurde zur Bühne für diplomatische Ausflüchte und die Erhaltung wirtschaftlicher Interessen. Der einzige gemeinsame Nenner: ein Appell an Freiwilligkeit. Doch was ist eine freiwillige Verpflichtung wert in einer Welt, in der sich viele bereits jetzt nicht an bestehende Abkommen halten? Die Klimakrise schreitet ungebremst voran, doch die politische Antwort bleibt ein Flüstern im Sturm. Während Aktivisten draußen verzweifelt protestieren, verwalten die Verantwortlichen drinnen den Stillstand.
Der Geist von Paris, die Hoffnung von Glasgow – alles verblasst im Licht dieser neuen Klimakonferenz, die als historisch verpasste Chance in die Geschichte eingehen könnte. Die Enttäuschung ist global, das Signal fatal: Wenn selbst in Belém keine Einigkeit über das Notwendigste erzielt werden kann, wie soll es dann weitergehen? Der Klimagipfel hat nicht nur kein neues Kapitel im Kampf gegen die Erderwärmung geschrieben – er hat ein weiteres düsteres hinzugefügt.
