KRAWALLE UNTERM KÖLNER DOM! FLASCHEN, BÖLLER, FÜNF IN GEWAHRSAM!

Symbolfoto: Nächtlicher Platz vor einer gotischen Kathedrale, im Vordergrund umgestürzte E-Scooter, ein Fahrrad und Glasscherben auf nassem Pflaster, Rauch und rotes Bengalo-Licht, im Hintergrund Polizeifahrzeuge mit Blaulicht, darüber in weißer Schrift auf blauem Feld die Schlagzeile „Krawalle unterm Kölner Dom! Flaschen, Böller, fünf in Gewahrsam!“
Symbolfoto – Bild KI-generiert

Köln – Flaschen fliegen, Fahrräder fliegen, Böller krachen direkt vor dem Weltkulturerbe! Am späten Samstagabend ist die Lage auf der Kölner Domplatte, nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt, gekippt. BILD meldet im Live-Ticker „Krawalle unterm Kölner Dom“, Festnahmen und Barrikaden aus E-Scootern. Wir haben die Meldungen mit Polizei, dpa, WDR und Kölner Stadt-Anzeiger abgeglichen – was ist bestätigt, was nicht, und was ist in Köln seit dem Nachmittag Neues passiert?

Zur Einordnung: Über die abgesagte Demo am Konrad-Adenauer-Ufer und die Wasserwerfer am Nachmittag hatten wir bereits in unserem bundesweiten Überblick berichtet. Hier geht es um das, was danach kam. Und das spielte sich nicht mehr am Rhein ab, sondern mitten in der Innenstadt – auf der Domplatte, in den Seitenstraßen rund um den Dom und auf der Einkaufsmeile Hohe Straße.

Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur, die sich auf die Polizei beruft, spitzte sich die Lage am Abend durch „rund 200 teils randalierende Personen“ zu. Auf der Domplatte nahe dem Hauptbahnhof sei es zu Angriffen auf Polizisten gekommen. Flaschen wurden geworfen, Fahrräder flogen, ein Mensch erlitt Verletzungen. Randalierer wurden festgesetzt, nach Polizeiangaben gab es fünf Ingewahrsamnahmen. In einer Nebenstraße ging demnach eine Fensterscheibe zu Bruch – durch einen geworfenen E-Scooter. Eine Polizeisprecherin sprach von einem „dynamischen Lagebild“, Kräfte wurden zusammengezogen. Wer verletzt wurde und wie schwer, ist bislang nicht bekannt. Die dpa-Meldung trägt den Stand 22:18 Uhr.

BILD hatte die Entwicklung im Live-Ticker Schritt für Schritt begleitet. Um 20:50 Uhr meldete das Blatt: „Immer wieder werfen junge Männer Böller in Richtung Polizei. Auf der Domplatte gab es bislang fünf Festnahmen.“ Behelmte Polizisten stünden einer Gruppe gegenüber, die Domplatte werde „jetzt geräumt“. Um 21:15 Uhr folgte: Die Polizei werde wieder mit Böllern beworfen, es gebe weitere Festnahmen, „Chaoten werfen Fahrräder auf die Straße“. Um 21:19 Uhr schließlich: Ausschreitungen in den Seitenstraßen um den Dom, Böller und Flaschen auf Polizisten, „aus E-Scootern werden Barrikaden gebaut“.

Hier lohnt der genaue Blick. BILD spricht von fünf „Festnahmen“, die Polizei laut dpa von fünf „Ingewahrsamnahmen“. Das ist nicht dasselbe: Eine Ingewahrsamnahme ist in der Regel eine vorbeugende Maßnahme, um etwa weitere Straftaten zu verhindern – sie bedeutet nicht automatisch, dass die betroffene Person einer konkreten Tat verdächtigt wird. Für alle Betroffenen gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Wie viele „weitere Festnahmen“ es nach BILD-Angaben gab, ist bislang nirgends beziffert. Auch die Barrikaden aus E-Scootern sind bislang nur eine Schilderung von BILD. Bestätigt ist durch die Polizei laut dpa ein geworfener E-Scooter, der eine Fensterscheibe zerstörte. Dass die Domplatte vollständig geräumt wurde, haben wir bis Redaktionsschluss ebenfalls nicht durch eine offizielle Mitteilung bestätigt gefunden.

Schon vor der Eskalation am Dom war es in der Innenstadt unruhig. Der Polizei wurden laut dpa aus verschiedenen Bereichen des Stadtgebiets dunkel gekleidete Gruppen von teilweise 30 oder 40 Personen gemeldet, die randalierend unterwegs gewesen seien. Sie hätten gegen Wände getreten, geschrien und Pyrotechnik verwendet. „Das ist öfter gemeldet worden“, sagte die Polizeisprecherin. Auch ein Container soll angezündet worden sein. Am Abend setzte die Polizei zudem eine Gruppe von etwa 50 Personen auf der Hohe Straße fest – also genau dort, wo Geschäfte wie ein bekannter Juwelier ihre Schaufenster laut Kölner Stadt-Anzeiger schon Tage vorher mit Brettern vernagelt hatten. Nähere Einzelheiten zu dieser Gruppe nannte die Polizei zunächst nicht. Laut WDR-Reportern hatten am frühen Abend außerdem einzelne Gruppen von bis zu hundert Personen in der Schildergasse und am Rheinauhafen randaliert.

Und die wichtigste Nachricht für die Kölner Geschäftsleute: Plünderungen wie in Frankfurt, wo Randalierer am Abend Schaufenster einschlugen und sogar in ein Waffengeschäft eindrangen, gab es in Köln nach Polizeiangaben bislang nicht. In der ersten Einsatzbilanz der Polizei Köln mit Stand 20:30 Uhr heißt es ausdrücklich: „Bislang ist es jedoch nicht zu Plünderungen oder größeren Sachbeschädigungen gekommen.“ Auch die Polizeisprecherin betonte laut dpa später, es gebe „bislang noch keine Hinweise“ auf Plünderungen. Ob das nach der Eskalation auf der Domplatte noch so gilt, wird erst die nächste Bilanz zeigen.

Was die Polizei-Bilanz außerdem Neues verrät: Am Konrad-Adenauer-Ufer in Höhe des Thürmchenswalls kontrollierte die Bereitschaftspolizei am Abend mehrere hundert Personen, um ihre Identität festzustellen. Laut dpa waren in einem Abschnitt rund 600 Demonstranten festgesetzt, in einem anderen weitere 100. Weil die Maßnahmen lange dauern würden, versorgte die Polizei die Menschen in der Umschließung nach eigenen Angaben mit Getränken und ließ mobile Toiletten aufstellen. Die Polizei leitete mehrere Strafverfahren ein, unter anderem wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und schweren Landfriedensbruchs. Ein Beamter erlitt bereits am Nachmittag eine Handverletzung und war danach nicht mehr dienstfähig, ein Demo-Teilnehmer wurde laut Polizeisprecherin festgenommen.

Einsatzleiter Martin Lotz kündigte in der Mitteilung an: „Wir werden auch nach Einbruch der Dunkelheit mit starken Kräften präsent sein. Angriffe auf Einsatzkräfte und unbeteiligte Personen werden wir nicht akzeptieren.“ Wer polizeilichen Anweisungen nicht nachkomme oder Einsatzkräfte angreife, müsse „mit konsequenten polizeilichen Maßnahmen rechnen“. Unbeteiligte sollten sich nicht mit Personen solidarisieren, gegen die die Polizei vorgehen müsse. Hinweise auf gewalttätige Gruppen nimmt die Polizei über den Notruf 110 entgegen. Zu bedenken ist dabei: Die Polizei Köln war an diesem Abend nicht nur wegen der Demonstration im Großeinsatz, sondern auch wegen der traditionellen Halloween-Feiern in Köln und Leverkusen. Ob alle Randalierer in der Innenstadt überhaupt etwas mit der Demo zu tun hatten, ist offen.

Die Polizei war gewarnt. Bereits vor dem Wochenende hatte sie mitgeteilt, es lägen „Hinweise zu Gewaltaufrufen einzelner Gruppierungen und Personen vor, die die Versammlung für Straftaten nutzen wollen“, darunter Aufrufe zu möglichen Brandstiftungen und Sachbeschädigungen. Laut WDR hatten sich unter die friedlichen Demonstranten linksextreme und pro-palästinensische Gruppierungen gemischt, Hunderte versuchten nach dem offiziellen Ende geschlossen in die Innenstadt zu gelangen. In Düsseldorf hatte die Polizei laut einem Bericht von DerWesten bereits am Freitag vier Männer vorläufig festgenommen, denen vorgeworfen wird, sich zu gewalttätigen Aktionen abgesprochen zu haben. Auch hier gilt bis zu einer gerichtlichen Klärung die Unschuldsvermutung.

Es gibt aber auch Kritik am Vorgehen der Einsatzkräfte. WDR-Reporter Jochen Hilgers sagte in der „Aktuellen Stunde“, aus seiner Sicht habe der Einsatz des Wasserwerfers am Nachmittag „sofort zur Eskalation“ geführt, das werde aufgearbeitet werden müssen. Die Polizei selbst begründet den Einsatz mit Angriffen auf Einsatzkräfte nach dem Ende der Versammlung. Beides gehört zum Bild – eine abschließende Bewertung wird erst die Aufarbeitung bringen. Der WDR berichtet zudem, die Polizei rechne mit Ausschreitungen „die ganze Nacht über“.

Offen bleiben bis Redaktionsschluss zahlreiche Fragen: Wie viele Personen wurden in Köln insgesamt festgenommen oder in Gewahrsam genommen? Wie viele Polizisten und Unbeteiligte wurden verletzt? Wie hoch ist der Sachschaden in der Innenstadt? Und gegen wie viele der mehreren hundert kontrollierten Personen am Rheinufer wird tatsächlich ermittelt? Eine aktualisierte Bilanz der Polizei Köln lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Was in Frankfurt am selben Abend geschah, lesen Sie in unserem Bericht zur Krawall-Nacht in Frankfurt.

KOMMENTAR / MEINUNG: Der Kölner Dom hat Kriege, Bombennächte und unzählige Karnevalssessionen überstanden. Dass ihm ausgerechnet eine Handvoll Halbstarker mit Leihrollern und Böllern Angst einjagen soll, ist eher unwahrscheinlich. Peinlich ist es trotzdem: Während drinnen seit Jahrhunderten für Frieden gebetet wird, fliegen draußen Fahrräder über das Pflaster. Wer so für eine bessere Zukunft kämpft, hat das Prinzip offenbar noch nicht ganz verstanden.

KOMMENTAR / MEINUNG: Bemerkenswert ist auch der Service der Polizei: Getränke und mobile Toiletten für die Menschen im Kessel am Rheinufer. Man stelle sich vor, die Randalierer hätten ihre Energie in die Forderungen gesteckt, für die angeblich demonstriert wurde – Bildung, bezahlbares Leben, Klimaschutz. Stattdessen wird jetzt über E-Scooter in Fensterscheiben geredet. Ein besseres Geschenk hätte man den Kritikern dieser Generation kaum machen können.

KOMMENTAR / MEINUNG: Am Ende werden wieder alle betonen, die große Mehrheit sei friedlich gewesen – und das stimmt ja auch. Nur nützt das den Polizisten mit verletzter Hand wenig, ebenso wenig den Ladenbesitzern, die ihre Schaufenster vorsorglich vernagelt haben wie vor einem Sturm. Die friedlichen jungen Leute, die mit selbstgemalten Schildern am Rhein standen, sind die eigentlichen Verlierer dieses Abends. Ihre Botschaft ist im Böllerrauch verschwunden!

Wir bleiben dran und berichten, sobald die Polizei Köln eine neue Bilanz zu Festnahmen, Verletzten und Schäden vorlegt! Was meinen Sie: Wurde in Köln zu hart durchgegriffen – oder war es genau richtig? Schreiben Sie es uns!

Quellen:
BILD – Gen-Z-Proteste im Live-Ticker: Krawalle unter dem Kölner Dom (31.10.2026): https://www.bild.de/news/inland/gen-z-proteste-im-live-ticker-krawalle-unter-dem-koelner-dom-6ae57fd0aedea8cd9ffbef16
Polizei Köln (Presseportal) – POL-K: 261031–1-K Einsatz der Polizei Köln zu Halloween – erste Einsatzbilanz, Stand 20:30 Uhr: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/12415/6381520
Polizei Köln auf X – Aktuelle Einsatzlage Versammlung Konrad-Adenauer-Ufer und Halloween (31.10.2026): https://x.com/polizei_nrw_k/status/2116489371847147560
WELT/dpa – Randale auf Kölner Domplatte – Flaschenwürfe gegen Beamte (Stand 22:18 Uhr): https://www.welt.de/regionales/nrw/article6ae65b31aedea8cd9ffbff23/randale-auf-koelner-domplatte-flaschenwuerfe-gegen-beamte.html
SZ/dpa – Gen Z-Demo in Köln: Demonstranten werfen Pyrotechnik und Steine auf Beamte: https://www.sueddeutsche.de/politik/gen-z-demo-in-koeln-demonstranten-werfen-pyrotechnik-und-steine-auf-beamte-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-261031-930-924424
WDR – Erste Bilanz: So verliefen die Demos in NRW: https://www1.wdr.de/nrw/koeln/polizei-greift-bei-demo-in-koeln-ein-100.html
tagesschau.de – Weitgehend friedlich – in einigen Städten Ausschreitungen: https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/jugendproteste-102.html
Kölner Stadt-Anzeiger – „Gen Z regelt“-Demo in Köln verlegt – Geschäfte verbarrikadieren Schaufenster: https://www.ksta.de/koeln/koelner-gen-z-regelt-demo-findet-am-konrad-adenauer-ufer-statt-1405358
Kölner Stadt-Anzeiger – Gen-Z-Demo in Köln: Sicherheit, Ablauf, Verkehr: https://www.ksta.de/koeln/fragen-und-antworten-das-muessen-sie-zur-koelner-gen-z-demo-wissen-1406236
DerWesten – „Gen Z“-Demos in NRW: Randale in Kölner Stadtgebiet (Newsblog): https://www.derwesten.de/staedte/essen/gen-z-demo-nrw-essen-duesseldorf-koeln-ausschreitungen-id302190122.html
FAZ – Liveticker Gen-Z-Proteste: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/liveticker-gen-z-proteste-ausschreitungen-in-frankfurt-jugendliche-werfen-scheiben-ein-faz-201635936.html
Pressecop24 – Brennende Barrikaden, Böller auf Polizisten! Gen-Z-Proteste kippen am Abend: https://pressecop24.com/brennende-barrikaden-boeller-auf-polizisten-gen-z-proteste-kippen-am-abend-wasserwerfer-in-koeln-und-hamburg/
Pressecop24 – Krawall-Nacht in Frankfurt! Randalierer schlagen Waffenladen ein: https://pressecop24.com/krawall-nacht-in-frankfurt-randalierer-schlagen-waffenladen-ein-zwei-waffen-weg-polizei-stellt-sie-sicher/

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