Ärzte mit Morddrohungen konfrontiert: „Wir haben Angst um die, die impfen“!

Französische Ärzte und Wissenschaftler haben am Dienstag die Behörden aufgefordert, gegen die Beleidigungen und Drohungen – einschließlich Todesdrohungen – vorzugehen, die sie während der Corona-Krise häufig erhalten haben. Die Ärzte erklärten, sie befürchteten, dass jemand aus der Welt der Verschwörungstheorien nicht nur gegen sie, sondern auch gegen andere Mediziner vorgehen werde, und verurteilten das Schweigen der Behörden. „Es sind Monate vergangen, in denen einige von uns regelmäßig Morddrohungen erhalten haben. Sei es über soziale Netzwerke, Twitter, E-Mail, per Telefon oder per Post. Wir sind die Zielscheibe“, sagte Jérôme Marty, ein Arzt, der eine Gewerkschaft für niedergelassene Ärzte, die UFML, leitet. Einige Ärzte wie er selbst würden „mehrmals am Tag“ Drohungen erhalten, sagte er, und manche von ihnen hätten jetzt Leibwächter. „Wir fürchten nicht um unser eigenes Leben, um unsere körperliche Unversehrtheit. Es gibt Menschen, die keine Möglichkeit haben, sich vor Kameras zu zeigen, die völlig anonym sind, die in Impfzentren arbeiten, die in ihrer Praxis impfen, Krankenschwestern, Ärzte, Pfleger. Wir haben Angst um sie, wir haben Angst, dass sie Opfer von Gewalt werden“, so Marty. Bei dem Treffen am Dienstag in Paris wurden verbale Drohungen abgespielt, eine davon von einem anonymen Mann in Toulouse, der sagte: „Hör zu, Kumpel. Die Bevölkerung fängt an, wütend zu werden (…) also halte deine große Klappe. Es ist so, als würdest du danach suchen.“ Noch härter war eine Drohung in den sozialen Medien an einen nicht anwesenden Arzt: „Und die Kugel in deinem Kopf, die ich dir verpassen werde, wie willst du sie aufhalten?“ Die Besorgnis über die Drohungen wuchs mit der Veröffentlichung eines nicht unterzeichneten Kommentars in der Onlinezeitung FranceSoir im vergangenen Monat, in dem die COVID-19-Gegner das medizinische Establishment an den Pranger stellten und Namen von Ärzten und Wissenschaftlern nannten. Der Kommentar, der inzwischen überarbeitet wurde, schloss mit einem kryptischen Verweis auf „La Veuve“ (die Witwe), ein Wort, das früher für die Guillotine verwendet wurde. Auch in Deutschland sollen immer mehr Ärzte und Wissenschaftler der gleißenden Wut von radikalen Bürgern ausgesetzt sein. Ein Arzt aus Osnabrück sei mit dem NS-Arzt Josef Mengele verglichen worden, weil er sich weigerte, Impfgegner zu behandeln. „Arschloch, verrecke“ sei eine der Drohungen, denen er ausgesetzt war. Lübecker Kinderärztinnen sollen bedroht worden sein, weil sie Kinder gegen Corona impfen. Seitdem ein Arzt aus Neu-Ulm öffentlich für Impfungen wirbt, soll auch er etliche Morddrohungen erhalten haben.

 

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