CIA-Whistleblower John Kiriakou: „Folter und Drohnenkrieg säen Hass“!

 

 

 

 

Berlin  – An diesem Mittwoch erblickt die Whistleblowerin Chelsea Manning nach rund sieben Jahren Gefängnis wieder das Licht der Freiheit. Einer, der weiß, wie man sich in dieser Situation fühlt, ist John Kiriakou. „Sie muss gefasst sein auf Depressionen und auf Zorn. Sie soll keine Angst davor haben, Medikamente zu nehmen gegen Depression“, sagt der ehemalige CIA-Mitarbeiter im Interview mit der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „neues deutschland“ (Mittwochausgabe). Kiriakou war für den US-amerikanischen Geheimdienst CIA als Nahost-Experte tätig. Als er es ablehnte, sich am geheimen Folterprogramm der CIA zu beteiligen und 2007 öffentlich über diese Verhörmethode sprach, wurde er vor Gericht gestellt und zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Zur Förderung des Terrorismus gebe es „nichts Wirkungsvolleres als das Folterprogramm und das Drohnenprogramm“, so Kiriakou. Offiziell gibt die CIA drei Fälle von Folterungen zu, Kiriakou aber schätzt die Zahl auf 20 bis 25. „Und wenn man den Militärgeheimdienst noch dazu nimmt, dann wurden sicher 300 gefoltert.“ Die illegalen Verhörmethoden seien dabei nicht einmal besonders effizient gewesen. Viele Informationen hätten die Verdächtigen schon längst den FBI-Vernehmern gegeben, lange bevor die Folterungen begannen.

Obwohl Barack Obama als eine seiner letzten Amtshandlungen die Freilassung Chelsea Mannings veranlasste, sieht Kiriakou den Ex-Präsidenten kritisch. „Bush war ein Kriegsverbrecher, das ist unbestritten. Obama hat zahlreiche gute Dinge bewirkt, die Krankenversicherung etwa, im Bereich der Bildung, die Rechte von Schwulen und Lesben. Aber er war der schlechteste Präsident, den wir je hatten, wenn es um das Unterdrücken von Widerspruch in Sachen Sicherheit ging.“ Das Anti-Spionagegesetz gebe es in den USA seit nunmehr 100 Jahren. „Bis 2009 wurden nach diesem Gesetz nur drei Leute verurteilt, weil sie Informationen an die Presse gaben, allein unter Obama aber waren es acht. Wir brauchen daher ein Gesetz, dass Whistleblower schützt.“